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Irene Berger erinnert sich:
„Nun sind es genau vierzig Jahre her, dass wir uns in diesen Räumen des Gemeindehauses in
der Schulstraße zum ersten Mal zur Eröffnung der Altentagesstätte „Geselliger Nachmittag“ getroffen haben. Wer hätte das gedacht, dass sich aus dieser Idee,
besprochen mit dem damaligen Kirchenvorstand, dem Diakon und den Pfarrern, ein so lebhaftes, anregendes und geselliges Beisammensein entwickeln würde! Der Versuchsnachmittag am 10.12.1970,
eingeladen durch Pfarrer Walther und Hanna Maria Haberer im Rahmen einer Adventsfeier, rief reges Interesse an der Gründung einer Altentagesstätte hervor, was zu der damaligen
Zeit etwas ganz Besonderes war. Sie freuten sich darauf, im Kreise Gleichaltriger zum Schnobern und Gedankenaustausch zusammenzukommen. Am 18.01.1971 war im Gemeindehaus die
Eröffnungsfeier, und alles war bis auf den letzten Platz besetzt. Pfarrer Manfred Berthold eröffnete die schlichte Feierstunde und begrüßte die zahlreich Versammelten und Gäste mit herzlichem
Willkommensgruß. Anschließend sprachen die einzelnen Gäste Grußworte und brachten ihre Freude über die Eröffnung der Altentagesstätte zum Ausdruck. Es waren der damalige 2. Bürgermeister Hellmut Grempel,
Landtagsabgeordneter Albert Koch, Sozialamtsleiter Heinz Kiesewetter, KV-Obmann Hans Nußpickel, Franz Förster von der Arbeiterwohlfahrt und von kath. Seite Pfarrer
Oskar Probst. Die Feier wurde umrahmt vom Posaunenchor, Flötenspielern und dem verstärkten Konfirmanden-Singkreis. Bei Kaffee und Kuchen wurde es ein froher Nachmittag für alle Anwesenden.
Von nun an war die Altentagesstätte am Montag, am Mittwoch und am Donnerstag von 14 – 18 Uhr geöffnet. Von Anfang an gab es keine Langeweile bei den Geselligen Nachmittagen. Die Tage waren
ausgefüllt mit Vorträgen, mit Dia- und Filmvorführungen, Bibelstunden mit den Pfarrern, Abendmahls- und Geburtstagsfeiern, Begegnungen mit dem Kindergarten, Erntedankfeiern, Käseparties und Sommerfesten,
die bei schönem Wetter im Freien stattfanden. Zum Gelingen der Nachmittage bei heiterer Schallplattenmusik sorgten Lotte Fischer, Klara Steiner, Thekla Tischer und Edeltraut Müller
zusammen mit vielen anderen fleißigen Händen. Schon damals fand, wie auch heute noch, jeden Monat eine Geburtstagsfeier aller Geburtstagskinder des jeweiligen Monats statt.
Das erste Referat hielt Dozent Dr. Hermann Koschitz-Kosic über Fragen des Alterns. Den ersten Bericht erstatteten über die Geselligen Nachmittage Franz Schmidt und Diakon Reuter
in der KV-Sitzung vom 26.04.1971. Großes Interesse erweckte die erste Kaffeefahrt in die Fränkische Schweiz, die erste Tagesfahrt am 16.06. zu den Rummelsberger Anstalten und die
erste Begegnung mit dem Altenkreis in Kitzingen im September 1971. Mit einer Advents- und Weihnachtsfeier ging das erste Jahr zu Ende. Mit reichhaltigen Angeboten auch in den
folgenden Jahren wurde es niemand langweilig, und alle freuten sich auf diese Stunden und kamen gern. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Weil kein Raum in Wildenheid zur Verfügung
stand, war es möglich, ab 12.10.72 ältere Bürger aus Wildenheid 14-tägig zu uns ins Gemeindehaus mit dem Bus zu bringen, und unter Leitung von Diakon Reuter ebenfalls „Gesellige
Nachmittage“ zu veranstalten. Im Gemeindehaus Haarbrücken wurde ab 5.10.1972 bereits damit begonnen. Am 07.07.1976 war ein besonderes Ereignis: Die Begegnung der Altenkreise aus dem
Coburger Land! St. Moriz Coburg, Haarbrücken, Neustadt, Bad Rodach und Wildenheid trafen sich im Saal der Gaststätte Waldfriedensee. 240 ältere Menschen kamen zusammen, und neue
Freundschaften wurden geschlossen. Am 21.09.1978 gab es sogar ein Treffen im Gemeindehaus mit den Lindauer Senioren, die im Coburger Land weilten. Die Zeit eilte dahin, und die „Geselligen
Nachmittage“ waren für viele Gemeindeglieder nicht mehr wegzudenken. Kurz vor seinem Weggang im Jahre 1986 hielt Herr Pfarrer Berthold noch ein Referat über 19 Jahre
Gemeindearbeit in Neustadt. Auch Diakon Reuter verließ uns am 31.12.1987.“
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Lore Thie berichtet:
Nachdem Diakon Gerhard Reuter Neustadt verlassen hatte, bat mich mein Mann, im Team der Geselligen Nachmittage
Verantwortung zu übernehmen. Obwohl ich Erfahrung in Seniorenarbeit und durch mein Fernstudium der EKD für Erwachsenenbildung auch zu der Zeit bereits in Coburg bei der
Mitarbeiter-Fortbildung für Altenarbeit mit im Team war, konnte ich mir nicht vorstellen, jede Woche 1 bis 2 Veranstaltungen für Senioren zu gestalten. Mit dem starken Team gelang es.
Erfahrene Referenten, z. B. Rektor Günther Bretschneider, Rechtsanwalt Jürgen W. Heike und (am jeweils letzten Montag des Monats) die Neustadter Pfarrerinnen und Pfarrer waren bereit
, ebenso wie das gesamte Team rein ehrenamtlich, dieses ungewöhnlich häufige Angebot weiterzuführen.
Sechser-Tische ermöglichten gute Gespräche während der Geselligen Nachmittage. Ein
Jahresthema, z.B. "Älter werden - weiter wachsen", "Älter werden - weiter gehen", "Älter werden - neugierig bleiben" regte zur
gemeinsamen Planung jeweils zu Jahresbeginn an. Neue Referenten zum jeweiligen Thema konnten gewonnen werden. Diese äußerten häufig ihr Erstaunen über die interessiert lebhaften
Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Geselligen Nachmittage. An den Montagen kamen i. d. R. etwa 5O Personen, gelegentlich auch wesentlich mehr zusammen. An den Dienstagen wurde unter Leitung von Lotte
Fischer (bis zu deren 85. Geburtstag) und ab da unter Leitung von Friedl Greiner (bis zu deren Erkrankung) zur Seniorengymnastik eingeladen. Donnerstags fand ein Mal im Monat ein Ausflug
bzw. eine kleine Studienreise mit Einkehr statt. Am letzten Donnerstag traf sich unter dem Titel "Treff 60" eine zunächst jüngere Gruppe. Diese verjüngte dann bald auch die Geselligen
Nachmittage. Da mit dem Geburtstagsgruß für die ab-70-jährigen Gemeindeglieder auch die Einladung zur monatlichen Geburtstagsfeier und das Jahresprogramm zu den Senioren kam,
ließen sich immer wieder Neue einladen und viele fanden Freude und Freundinnen bei den Geselligen Nachmittagen.
Vieles ist geblieben. Feste und Feiern im
Rhythmus des Kirchenjahres, Abendmahlsfeiern an den Tischen. Neu und anregend waren nach der Grenzöffnung die Begegnungen mit den Senioren der Sonneberger evangelischen
Kirchengemeind. Was Anfang 1990 noch als Auslandsreise begann und das Gemeindehaus bis zur Grenze des Möglichen füllte, wurde Tradition. Einmal im Jahr kamen die Sonneberger nach
Neustadt, einmal fuhren wir nach Sonneberg. Im Sommer trafen sich die beiden Gruppen abwechselnd in Bayern oder Thüringen an einem ausgewählt interessanten Ort, beim ersten Mal z
.B. in der Rosenau. Im Rahmen unserer Neustadter Seniorenangebote gehörten die jährlichen Seniorenerholungen zu den besonders schönen, intensiven Zeiten der Begegnung und
des gemeinsamen Erlebens. Ziele waren z.B. Rehe im Westerwald, Lechbruck, Rothenburg o.T., Mallorca, Usedom, Rügen, Bad Hall, Bad Reichenhall. Königsfeld im Sc.hwarzwald, und Schwäbisch Gmünd.
Hervorheben möchte ich die große Einsatzbereitschaft des Teams der "Geselligen Nachmittage" Irene Berger, Lotte Fischer, Lieselotte Wöhner, Anni Atzler, Ruth Gähde, Friedl Greiner, Erika Türcke.
Außer den kontinuierlichen Einsätzen im Geselligen Nachmittag waren wir auch am Nikolaustag und am Gemeindefest die für die Bewirtung im GHS zuständigen Frauen. Ein
Höhepunkt derartiger Aktivitäten aber war der Tag der Grenzöffnung. Am 12.11.1989, einem eiskalten Sonntag, kamen Tausende von Thüringern nach Neustadt, Hunderte fanden den
Weg zur Georgskirche, stellten dort Kerzen auf die Stufen und wärmten sich im GHS bei Kaffee und Kuchen auf. Seither kann ich mir vorstellen, wie das mit der "Speisung der 5000" ging: In
Neustadt war uns von privat soviel Gebäck ins GHS gebracht worden, dass wir am darauf folgenden Montag noch damit bewirten konnten.
Der evangelischen Kirchengemeinde Neustadt
gratuliere ich - anlässlich des nun 40-jährigen Bestehens der Geselligen Nachmittage" zu diesem vorbildlichen Angebot für ältere Menschen und zu denjenigen, die jetzt die
Gestaltung der Geselligen Nachmittage verantworten.
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