Impuls für die Woche 18.11.2020 – Was tut meiner Seele gut?

Heute ist Buß- und Bettag. Jedes Jahr ist dieser Tag einem besonderen Thema gewidmet. 2019 war das beispielsweise „Alles egal? Oder hast du noch träume?“ Der Buß- und Bettag will zum Denken anregen. 2020 ist er geprägt von der Corona-Pandemie, wie fast alle anderen Sonn- und Feiertage in diesem Jahr. Ursprünglich wurde er eingeführt, um eine Gefahr abzuwenden, die die Allgemeinheit bedrohte. Scheinbar passt das dieses Jahr. Doch m.E. geht es nicht mehr um eine Gefahr, es geht um ein Risiko. Ein ernstzunehmendes, keine Frage. Das ist etwas anderes als eine Gefahr. Eine Gefahr macht Angst. Ein Risiko gehört zum Leben. Wir können die Pandemie nicht einfach durch markige Worte beenden, wie das einige versuchen. Wir leben mit dem Virus. Ob es uns gefällt oder nicht. Es wäre ja so einfach: ein bisschen Beten, ein bisschen Fluchen, ein bisschen Drohen und – schwups – ist das Problem gelöst. Doch das Leben funktioniert anders. Das Virus war und ist danach noch da – und zwar verbreiterter als vorher.
Der Buß- und Bettag lädt uns ein, uns darüber Gedanken zu machen, ob in unserem Leben alles so läuft, wie es uns gut tut. Damit meine ich eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem, wie wir leben und wie wir uns in dieser Gesellschaft einbringen. Er fordert uns auf: Schaut euch um und achtet auf jene, die sich trotz staatlichem sozialen Netz im freien Fall befinden; auf jene, die durch das Raster fallen und wenig bzw. keine Unterstützung erhalten; auf die, deren persönliche Situation eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht erlaubt … vergesst sie nicht vor lauter Virusangst.

Was ist es, was wir in unserem eigenen Leben derzeit vermissen oder vergessen? Für jeden von uns sind es andere Dinge, von denen wir uns einschränken lassen. Was sind unsere Ablenkungsmanöver? Ich frage mich am Buss- und Bettag dieses Jahr: was tut mir gut? Nachrichten schauen tut mir schon lange nicht mehr gut. Diskussionen führen über Dinge, die sich nicht ändern, tun mir nicht mehr gut. Als ein Mensch, der Freiheit über alles liebt, sehe ich mich aufgefordert, einen Weg zu suchen, der mir derzeit Freiheit ermöglicht, wie sie meiner Vorstellung von Freiheit zumindest nahe kommt. Mir gelingt das auf dem Golfplatz. Das wird langsam schwierig, weil die Saison zu Ende geht. Also werde ich mir etwas anderes suchen. Mein Haus weihnachtlich dekorieren. Weihnachtsmusik hören, Dinge, die meiner Seele gut tun. Was ist das bei euch?

Es ist herausfordernd ehrlich zu sich selbst zu sein. Wenn wir das zulassen, werden wir schnell merken, dass es befreiend wirkt. Manches, was wir zu wichtig nehmen, nimmt einen zu hohen Stellenwert ein. Keine Angst: Gott steht zu uns, jeden Tag unseres Lebens. Er geht mit uns. Das befreit mich.

Für diese Woche wünsche ich euch: habts Zuversicht und bleibts gsund. Nur diese Woche. Für die nächste sorgen wir nächste Woche.

Impuls für die Woche 11.11.2020

Manchmal wundere ich mich über Jesus. An einer Stelle in der Bibel sagt er: Macht euch Freunde mit dem Mammon. So etwas aus dem Munde Jesu. Ich würde verstehen, wenn er sagt: Investiere dein Vermögen langfristig! Oder: Achte auf deinen Besitz! Oder: Gib es mit Bedacht aus. Das hätte man ja noch als vorausschauenden Hinweis der nachösterlichen Gemeinde verstehen können, um die eigenen Leute zur Nachhaltigkeit zu motivieren. Doch der Begriff “Mammon” macht deutlich, dass Jesus abfällig darüber spricht. Bei Wikipedia heißt es zum Beispiel: “Mammon ist ursprünglich ein unredlich erworbener Gewinn oder unmoralisch eingesetzter Reichtum, wenn er etwa zur lebensbestimmenden Maxime wird.” Und damit sollen die Christen sich Freunde verschaffen!? Wo wir doch wissen, dass bei Geld die Freundschaft aufhört und gekaufte Zuneigung wenig wert ist!

Wir kennen auch das Sprichtwort: “Money makes the world go arround” – Geld regiert die Welt und hält sie am Laufen. Das spüren wir gerade jetzt, wo viele Geschäfte und Dienstleister schließen müssen. Da geht es um die Existenz! Das gilt inzwischen selbst für die Kirche. Der Kreislauf des Lebens hängt scheinbar davon ab. Als Person, als Gesellschaft, als Staat sind wir davon abhängig. So abhängig, dass es notwendig sein kann, sich Geld zu leihen, Schulden zu machen. Heute geht es um Dollar, Euro und Yen, neuerdings um Bitcoins. Damals ging es noch um Naturalien: Olivenöl, Weizen … Und da beginnt die Geschichte dann doch anders als erwartet zu verlaufen. In der Geschichte, in der Jesus das gesagt hat, geht es um Schuldenerlass. Doch wer erlässt heutzutage schon jemand anderem die Schulden? Es läuft anders: Der Verwalter drückt den Schuldnern noch mehr auf, um selbst davon zu profitieren. Oder er nimmt einen Teil für sich. Eine der beiden Seiten – manchmal beide – wird betrogen. Es ist dann Pech, wenn man dabei erwischt wird. Wenn man dann genug beiseite geschafft, vorgesorgt und sein Schäfchen im Trockenen hat, ist das kein Problem. Doch was tun, wenn die eigene Existenz bedroht ist? Da wird selbst dem Gauner anders.
Und da kommt Jesu Aussage wieder. Er rät dazu, sich Solidarität zu erkaufen. So wie es der Verwalter in der Geschichte getan hat. Und zwar nicht mit seinem eigenen, sondern mit dem Vermögen seines Chefs! Den Mut muss man erstmal haben, das so durchzuziehen. Jesus lobt dieses Verhalten. Ich finde das seltsam. Erwartet habe ich etwas anderes. Jesus wendet sich direkt an seine Zuhörer. “Macht euch Freunde mit dem Mammon, an dem so viel Unrecht haftet, damit ihr, wenn es keinen Mammon mehr gibt, in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet.” Jesus lenkt den Blick auf die Zukunft, die den Verwalter erwartet. Ihm ist es gleichgültig, ob er sich noch mehr Ärger mit seinem Chef einhandelt – der gehört sowieso der Vergangenheit an. Seine Zukunft liegt nun in anderen Händen. Darauf konzentriert er sich, darauf richtet er sein ganzes Handeln aus. All das andere lässt er hinter sich. Das ist der Punkt, um den es Jesus geht: Für ihn war Gottes Zukunft das, wonach er sein Reden und Tun ausrichtete. Er sprach, dachte und handelte, als ob das Reich Gottes schon mitten in der Welt wäre, als hätte der Himmel auf Erden schon Raum gefunden. Denn es ist diese Zukunft, die das gegenwärtige Leben prägen soll. Alles andere ist nur im Lichte dieser Zukunft zu verstehen. Es ist hilfreich, wenn wir Dinge im Sinne Gottes ändern wollen, ohne uns gleich Gedanken darüber zu machen, ob unser Engagement überhaupt von Erfolg gekrönt sein wird. Es ist hilfreich, wenn wir Trost suchen und Hoffnung finden wollen, wenn uns das Leben wieder durch seine tiefen und dunklen Täler führt.

“Macht euch Freunde mit dem Mammon, an dem so viel Unrecht haftet, damit ihr, wenn es keinen Mammon mehr gibt, in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet.” Da heißt nichts anderes als: Richtet euch auf die Zukunft Gottes aus! Sie soll unsere Motivation sein, unser Leben und diese Welt so zu ändern, dass beides dem Reich Gottes schon jetzt nahe kommt. Sie soll euch die Angst und die Sorge nehmen. Denn am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.

Für heute wünsche ich euch habts Zuversicht und bleibsts gsund. Nur für diese Woche. Für die kommende sorgen wir in der nächsten.

Impuls für die Woche 28.10.2020

Gott hält euch in seiner Hand.

“Wer sich vor der Hölle fürchtet, der kommt hinein …” Schon Martin Luther kannte dieses Sprichwort. Und dass da etwas dran ist, erfuhr er am eigenen Leib. Luther war nicht nur der standhafte Reformator, der dem Kaiser die Stirn geboten hat und dem Papst entgegengetreten ist. Im Grunde genommen ist sein Werdegang und seine theologische Arbeit nur mit dem Einfühlen in seine Angst zu verstehen. Tief im Innern war er ein furchtsamer Mensch, manche Historiker erkennen in ihm sogar eine depressiver Ader. Ein Gewitter machte ihm gehörig Angst, deshalb trat er ins Kloster ein. Dort kam er trotzdem nicht zur Ruhe. Ihn plagten Lampenfieber (Luther über seine erste Messe: “Gott sei gelobt, dass ich mich nicht zu Tode geschwitzt habe.”), Gewissensbisse (sein Beichtvater war reichlich genervt, weil Luther ihn ständig aufsuchte, oft mehrere Male am Tag) und die Vorstellung, nach dem Ableben in der Hölle zu landen.

Die Hölle, davon haben wir sehr blumige Vorstellungen. Im katholischen Glauben gibt es die Vorstellung des Fegefeuers. Dort werden die Seelen gereinigt. Die Vorstellung der Bibel von der Hölle ist eine andere. Was dort als Hölle beschrieben wird , ist die Gottesferne. Wer nahe bei Gott ist, der ist im Himmel. Wer fern von ihm ist in der Hölle. Ich finde das eine treffende Beschreibung. Denn für mich als Christen gibt es tatsächlich nichts schlimmeres als das Gefühl, dass Gott mir fern ist. Wenn alles um mich herum auseinander fällt, wenn kein Stein auf dem anderen bleibt, wenn ich hinzufallen und zu stolpern drohe, dann brauche ich zumindest die Gewissheit, dass Gott bei mir ist. Dass er mir nahe ist. Das ist wie mit einem Partner. Ich kann und will nicht erwarten, dass mein Partner alles gut macht. Das überfordert ihn bzw. sie. Dass er an meiner Seite ist, dass er mit mir weint und schweigt genauso wie er mit mir lacht, das wünsche ich mir.

Das ist es, was mich derzeit trägt. Die Gewissheit, dass Gott bei mir ist. Ja er lässt das alles zu. Er lässt Dinge zu, wo ich ihn anschreien will, wie er sich das erlauben kann. Und ich stelle mir vor, er nimmt mich einfach in den Arm, drückt mich und beruhigt mein Herz und meine Seele. Und dann flüstert er leise: ich bin da.
Dass Gott uns wertvoll erachtet kommt in der Bibel immer wieder vor: Jedes Haar auf unserem Haupt ist gezählt! Jede/n einzelne/n unter uns kennt Gott in- und auswendig, mit jeder Faser seines Wesens ist er mit uns verbunden. Was soll also passieren? Mir fällt da das Lied „Weißt du wieviel Sternlein stehen“ ein. Ich finde das auch als Erwachsener noch ein beruhigendes Lied. Es tröstet mich. Gott will, dass jeder Stern am Himmel da ist, jedes Fischlein kennt er beim Namen und will, dass sie fröhlich sind. Jedes Kind kennt er und hat es lieb. Ist das schön.
Damit kann ich getrost in die kommenden Wochen gehen. Denn Gott, der mich kennt, flüstert leise: ich bin da. 
Für jeden von uns gilt deshalb: Seid ohne Furcht, denn Gott hält euch in seiner Hand.

Für die kommende Woche wünsche ich euch: habts Zuversicht und bleibts gsund. Nur diese Woche. Für die darauffolgende sorgen wir dann.

Das Pfarramt wird für den Publikumsverkehr bis auf weiteres geschlossen

Im Landkreis Coburg ist der Inzidenzwert von 50 überschritten. Damit gilt Stufe rot.

Deshalb schließen wir das Pfarramt Neustadt bis auf weiteres für den Publikumsverkehr. Gerne klären wir Ihre Anliegen telefonisch oder per email. Sollte sich ein Besuch gar nicht verhindern lassen, bitten wir Sie, sich telefonisch anzumelden. Es darf – wenn überhaupt – nur eine Person das Pfarramt betreten und dabei gilt Maskenpflicht.

Ob wir uns bei der Wiederöffnung für den Publikumsverkehr an der 7-Tages-Inzidenz orientieren werden, oder ob wir abwarten, dass der Wert einige Tage lang stabil in die nächstniedrigere Kategorie sinkt, entscheiden wir in einigen Tagen, wenn eine Entwicklung absehbar ist.

Der Kirchenvorstand reagiert auf Stufe Rot im Landkreis

Der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Neustadt reagiert auf Stufe Rot im Landkreis. Wir werden weiterhin auf das Singen in unseren Gottesdiensten verzichten. Außerdem gilt ab sofort wieder Maskenpflicht für die gesamte Dauer des Gottesdienstes am Platz. Diese Regelung gilt, bis die Inzidenz sich für eine Woche wieder im grünen Bereich befindet.

Unser Ziel ist es, dass wir Weihnachten mit der Gemeinde Gottesdienst feiern können. Wir planen, das im Freien zu tun. Wir wollen zwei (kurze) Gottesdienste am Nachmittag des heiligen Abend anbieten. Sobald die Dinge spruchreif geklärt sind, werden wir näheres bekannt geben. Einen Gottesdienst in unseren Kirchen wird es am heiligen Abend NACH HEUTIGEM STAND nicht geben. Einen Gottesdienst zur Christnacht wird es NACH HEUTIGEM STAND nicht geben. Stattdessen werden in der heiligen Nacht die Glocken um 22 Uhr für 7 Minuten läuten.

Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag werden wir normal im Moss und in St. Georg unter den bekannten Vorgaben Gottesdienst feiern.

An Silvester wird es einen Jahresschlussgottesdienst in St. Georg geben. Evtl. werden wir das mit einem erweiterten Hygienekonzept realisieren, so dass mehr Menschen als am Sonntagvormittag zugelassen sein werden. Das hängt damit zusammen, dass wir dafür die Emporen und damit auch ein größeres Sicherheitsteam brauchen werden. Auch das werden wir rechtzeitig bekannt geben.

Am Ewigkeitsonntag werden wir zwei Gottesdienst mit Totengedanken in St. Georg feiern um 10.00 und um 13.30 Uhr. Um 9 Uhr findet im Moos der Gottesdienst zum Totensonntag statt. Zu den Gottesdiensten mit Totengedenken werden die Hinterbliebenen wie immer schriftlich eingeladen. Wir bitten um Verständnis, dass wir vorab die Gottesdienstzeit zuteilen werden aufgrund der begrenzten Platzzahl. Wir möchten jeder Familie die Möglichkeit geben, mit zwei Personen an diesem GD teilnehmen zu können. Da das in der Auferstehungskirche nicht realisierbar ist, feiern wir dieses Jahr in St. Georg und bitten auch dafür um Verständnis.

Wir hoffen und beten, dass wir gut durch Herbst und Winter kommen und die Zahlen möglichst bald wieder nach unten gehen werden. Bleiben Sie behütet und bleiben Sie gesund.

Impuls für die Woche 21.10.2020

Der Sabbat ist für den Menschen da

Wer hungert, soll essen, wenn er die Gelegenheit dazu hat. Punkt. Darüber sollte man sich keine großen Gedanken machen. Nun gibt es in der Bibel eine kleine Geschichte, in der Jesus am Sabbat, dem jüdischen Sonntag, sich vom Feld etwas zu essen holt. Das wurde damals als Arbeit angesehen. Und die war am Sabbat verboten. Auf den Vorwurf, gegen das Sabbatgebot zu verstoßen antwortet Jesus: Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat
Ich finde das eine bemerkenswerte und gute Haltung. Wir handeln oft genug anders oder müssen anders handeln. Nämlich nach den Vorschriften. Ob uns die einleuchten oder nicht.
Es gibt in Deutschland Menschen, die z.B. auf gespendete Lebensmittel angewiesen sind. Gerade in dieser durch Corona krisengeschüttelten Zeit. 2019 ist innerhalb eines Jahres die Zahl derer, die z.B. das Angebot der Tafeln nutzen, um zehn Prozent gestiegen. Fast 1,7 Millionen Menschen finden dort Hilfe, viele Kinder und Jugendliche und ältere Menschen. Die Dunkelziffer liegt sicher höher. Für eine so reiche Nation wie Deutschland ist das erschütternd und ein Skandal.
Während die Tafeln so unbürokratisch helfen wie nur möglich, erleben wir an anderen Stellen den Irrsinn deutscher Bürokratie. Am deutlichsten wird das durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das das so genannte Containern für strafbar erklärt hat. Wer weggeworfene Lebensmittel aus dem Müll fischt, macht sich strafbar. Dass es auch anders geht, zeigt z.B. unser Nachbar Frankreich. Dort müssen Supermärkte übrige Lebensmittel an soziale Einrichtungen spenden – wegwerfen ist verboten! Diese Regelung ließe sich einfach auch in Deutschland umsetzen … geschehen ist in dieser Richtung bisher nichts.

Dass das Urteil so gefällt wurde, hat Gründe. Wir Deutschen sind vorbildlich was Recht und Ordnung anbelangt. Das hat unbestritten Vorteile, das sehen wir z.B. jetzt in der Corona-Krise. Dass wir vergleichsweise noch so gut dastehen ist auch unserer Ordnungsliebe und unserem Pflichtbewusstsein zuzuschreiben. Das Gros der Bürger*innen hält sich vernünftigerweise an die Verordnungen und Maßnahmen. Manchmal gehen wir dabei zu weit, dann richten Rechtssätze und Verordnungen mehr Schaden an, als das sie helfen. Zum Beispiel beim Containern
Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht umgekehrt. Jesus hat das immer wieder betont und mit dieser Begründung Gebote und Gesetze übertreten. Er tat das, um ihnen ihren ursprünglichen Stellenwert wieder zuzuordnen. Ihm ging es darum, dass Vorschriften dem Leben dienen.

Wenn Jesus so handeltspiegelt er das Wesen seines himmlischen Vaters wider. Auch der Er lässt Gnade vor Recht ergehen. Das macht Hoffnung und stärkt für uns alle die Gewissheit, dass er es gut mit uns meint.
Und ein Gott, der es gut mit uns meint, wird uns sicher durch den Herbst und den Winter bringen. Unsere Aufgabe: ihn so gut wir es können dabei unterstützen.
Für die kommende Woche wünsche ich euch: habts Zuversicht und bleibst gsund. Nur diese Woche. Für die folgende Wochen sorgen wir dann.

Impuls für die Woche 14.10.2020

Gott schenkt einen Neuanfang

Es wird kälter. Die Tage werden wieder merklich kürzer. Das Wetter wird rauer und ungemütlich. Der Herbst hat begonnen. Diese Jahreszeit hängt ein bisschen zwischen Baum und Borke. Wenn wir nicht das Glück eines »goldenen Herbstes« genießen, dann fegt das Laub über die Straßen. Der Wind bläst einem ins Gesicht und der Regen tut sein Übriges dazu. Während es Viele gibt, die sich auf den Winter, den Frühling oder den Sommer freuen, erwarten andere voller Vorfreude den Herbst. Mir fehlt im Herbst etwas, auch wenn ich die herbstlichen Farben liebe.
Mir ist der Sommer deutlich näher. Ich denke noch gern an meinen Sommerurlaub zurück. Die Weite und Leichtigkeit an der Küste der Nordsee. Der Wind zwischen den Haaren, warm und angenehm, die Zeit mit meinen Kindern beim Lasertag oder am Strand. Längst bin ich wieder hier. Gott sei Dank unverletzt und gesund. Das ist anderen anders ergangen. Sie waren beispielsweise auf der Flucht, im Krieg, im Krankenhaus, auf dem Friedhof. Alles hat sich verändert im Leben von vielen Menschen. Und heute lasse ich Corona dabei mal außen vor. Es verändert sich im Leben sowieso laufend etwas. Da geht eine Partnerschaft auseinander. Hoffnungen gehen kaputt, Tränen werden geweint. Eine schwere Krankheit verändert das Leben komplett, der Tod eines geliebten Menschen, der Verlust des Arbeitsplatzes. Manche Veränderung führen wir auch bewusst herbei: Wir wechseln den Arbeitsplatz, weil wir eine neue Herausforderung suchen. Wir beenden eine Partnerschaft, weil uns die Perspektive fehlt. Wir ziehen um, weil die Wohnung zu klein geworden ist. Veränderungen werden nötig, weil etwas fehlt. Wir sprechen dann davon, einen Neuanfang zu wagen oder einen Tapetenwechsel zu brauchen. Wir sehnen uns nach etwas, das uns in unserem bisherigen Leben fehlt. Wir wollen einen neuen Weg gehen. Das ging Menschen zu allen Zeiten so. Die Bibel erzählt Geschichten, in denen Menschen ein neuer Anfang geschenkt wurde. Der Gelähmte, der durchs Dach zu Jesus gebracht wird ist ein Beispiel, der blinde Bartimäus ein anderes. Beiden vergibt Jesus ihre Sünden. Der eine kann wieder gehen, der andere wieder sehen.
Jesus, der Sohn Gottes, vergibt dem Gelähmten seine Sünden, dadurch kann er wieder laufen. Er schenkt ihm einen Neuanfang, indem er ihm seine Sünden vergibt. Diese Geschichte ist wie viele andere ein Beispiel. Sie erklären in ihrer eigenen Sprache, dass Jesus uns vollkommen erfüllt. Durch ihn können wir erkennen, was auf uns wartet. Und dass ist vollkommen. Niemand wird bei Gott mehr durch ein Handicap am Laufen gehindert, niemand hat mehr unerfüllte Sehnsüchte. Jeder darf der sein, als der ihn Gott geschaffen hat. Jeder darf der sein, der er sein soll. Und das Gefühl des Erfüllt-Seins wird durch Jesus nicht mehr eine Momentaufnahme sein, sondern dauerhaft Bestand haben. Das ist sein Versprechen an uns.
Und deshalb ermutigen uns die biblischen Texte, etwas Neues und Dauerhaftes in unser Leben zu lassen. Denn dadurch können wir freundlich und herzlich miteinander sein und voll von Glück unseren Lebens- mut in die Welt tragen. Der kaltnasse Herbst kann dann keinem mehr die Stimmung verderben.
Trotzdem freue ich mich auf den nächsten Sommer. Ich will wieder den warmen Wind in meinen Haaren spüren. Ich will das Meer sehen. Ich merke: es gibt Sehnsüchte in mir, die stillt nur Gott. Die nach Gemeinschaft, die nach Freundlichkeit und Liebe unter den Menschen, frei von selbstauferlegten menschlichen Zwängen. Und es gibt Sehnsüchte, die zu stillen, ist meine Aufgabe. Das habe ich selbst in der Hand.

Für diese Woche wünsche ich euch: habt Zuversicht und bleibt´s gsund. Nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir nächste Woche.

Impuls 07.10.2020 Zu einem gelingenden Leben befreit

Gebote, Regeln, Maßnahmen, Verhaltensvorschriften … Davon haben wir doch schon genug. Auf so vieles sollen wir Rücksicht nehmen, überall aufpassen, beharrlich bleiben. Müde sind viele geworden, auch genervt. Manche machen sich Luft, indem sie gegen die Corona-Regeln und für ihre Freiheit demonstrieren. Die meisten jedoch halten sich noch dran. Natürlich ist die Aufmerksamkeit nicht mehr so hoch wie noch im Frühjahr. Dafür ist vieles schon fast zum Alltag geworden und uns zur Gewohnheit geworden. Ausnahmen bestätigen die Regeln. Wir sehnen uns wieder nach der alten Normalität. Und wir haben wenig Lust auf noch mehr Vorschriften, vor allem dann, wenn sie uns unlogisch, kompliziert und wenig praktikabel erscheinen.

Die 10 Gebote sind uns ein Begriff. Wir bekommen sie vielleicht alle zusammen, wenn auch die Reihenfolge durcheinander gerät. Wir wissen, es geht darum, ein gutes Miteinander von Mensch und Gott und Mensch und Mensch zu fördern. Dass uns dabei manches veraltet erscheint – geschenkt. Dennoch gibt es eine relativ hohe Akzeptanz, jedenfalls bei den meisten. Ob wir uns immer daran halten, steht natürlich auf einem anderen Blatt. „Du sollst nicht töten …“ – das will ich hier nicht thematisieren.Bei der Ehrung der Eltern tauchen erste Fragezeichen auf: Wie gehen wir z.B. mit älteren Menschen in unserer Gesellschaft um? Oder nehmen wir das Gebot, der Besitz der anderen zu respektieren. In einer von Konsum geprägten Welt stoßen wir auch da an unsere Grenzen, uns von Neid und Eifersucht frei zu machen. Und was ist mit dem Sabbat-Gebot? Wie schafft man einen Tag der Ruhe in Zeiten des Internets, Alles und jede/r sind 24 Stunden an 7 Tagen der Woche erreichbar. Auch die Geschäfte vor Ort sehen sich gezwungen ihre Läden immer länger aufzuhalten.

Es geht im Grundsatz darum, wie ich leben und wonach ich mein Leben ausrichten will. Gottes Gebote haben immer ein Miteinander zum Ziel: Solidarität, Respekt, Barmherzigkeit, Liebe … Alles Eigenschaften, die uns den anderen in den Blick nehmen lassen. Damit entsprechen sie dem dreifachen Liebesgebot, weshalb Jesus dieses als das höchste bezeichnen konnte. Diesen Sinn der Gebote sollten wir uns bewahren, damit sie befreien, Denn genau darum geht es Gott letztendlich. Das hilft uns, sie in unseren Alltag zu integrieren, auch solche Gebote und Regeln, die uns erst einmal gewöhnungsbedürftig erscheinen. Sie dienen dem gemeinschaftlichen Leben. So sind sie zu lesen und zu leben.

Wenn es uns gelingt, sie in unsern Alltag zu integrieren, dann sehen wir im anderen ein geliebtes Kind Gottes und nicht das Kind, das ständig Ärger macht, den Kollegen, der uns nervt oder den Chef, der ständig unerfüllbares von uns erwartet. Wir entdecken dann, warum das Kind ständig Ärger macht, was es umtreibt. Wir merken, was den Kollegen so nervig macht, was ihm auf der Seele liegt und wir sehen den getriebenen Chef. Das macht es vielleicht nicht einfacher, es nimmt jedoch den Druck, denn für jedes Verhalten gibt es Gründe. Die zu entdecken gelingt auf dem Hintergrund der Gebote, denn deren Sinn ist die Befreiung zu einem gelingenden leben. Und zwar für alle Menschen.

„Ein-Blick“ Oktober-November: Jetzt online!

Eine Pandemie vergeht nicht im Vorübergehen. Sie dauert. Sie erfordert Durchhaltevermögen und Geduld. Sie erfordert einen langen Atem. Wir hoffen, dass diese neue Normalität nicht die endgültige Normalität wird. Denn wir erfahren, dass wir auf Dauer liebgewonnenes zurück haben wollen. Wir wollen es nicht an das Virus verlieren. In den Kindergärten ist bereits wieder Normalität eingekehrt. In den Schulen ist sie jetzt drei Wochen erprobt worden. Wir stehen einige Wochen vor der nächsten Herausforderung: Weihnachten. Und wir ahnen: an Weihnachten wird uns Neues erwarten. Wir brauchen einen langen Atem. Denn wir wollen nicht aufgeben. Wir wollen die Pandemie überwinden und hinter uns lassen.

Wir haben auf sie reagiert. Wir haben neue Formate erfunden und erprobt und sind dafür ausgezeichnet worden. Davon lesen Sie im neuen Gemeindebrief genauso wie von Dingen, die Mut machen. Wir leben und wir werden überwinden, was sich uns in den Weg stellt. Die Beispiele aus den Kindergärten machen uns Mut. Der Gemeindebrief kommt inzwischen auch wieder in die Häuser. Nach und nach wird es sich fügen. Halten Sie durch.

Dass Ihnen die Lektüre des neuen Ein-Blicks dabei hilft, das wünscht im Namen des Redaktionsteam

Ihr Pfarrer
Michael Meyer zu Hörste

Hier geht es zum Download!

Impuls für die Woche 30.09.2020

Dankbarkeit trotz Schmerz

Am Sonntag ist Erntedankfest. Wir nutzen den Sonntag Jahr für Jahr, um uns bewusst zu machen, was wir haben. Wir machen uns bewusst, dass wir vieles von dem, was wir für selbstverständlich halten, Gott verdanken. Und dem bewussten Umgang mit seiner Schöpfung. Wir bauen an und ernten. Oft bemerken wir nur an den Preisen beim Bäcker, dass die Ernte schlechter ausgefallen ist, wenn das Mehl teurer wird.
Wofür danken wir dieses Jahr? Für eine überstanden Infektion? Dafür, dass die Oma, die Corona hatte, noch lebt? Dafür, dass wir den Tod des Opas annehmen konnten? Dafür, dass wir noch unseren Job haben?
Was ist jedoch mit denen, denen es anders geht? Die ihren Job verloren haben? Die jemandem aus dem Familienkreis verloren haben? Die an Folgeschäden einer Infektion leiden?
Mir ist es zu einfach zu sagen, dass Gott trotzdem da ist. Denn das macht das Leid klein. Doch der Schmerz muss ausgehalten werden. Da hilft mir Schweigen.
Dankbarkeit anlässlich von Erntedank kann auch Schweigen sein. Die Dankbarkeit dafür, dass jemand mit mir schweigt, für mich da ist, mein Leid mit mir trägt. Egal, welches Leid. Ob das eine Trennung ist, der Verlust des Arbeitsplatzes, Streit.
Es kann das aufatmen sein, dass ich jemanden habe, der für mich da ist. der mir zuhört, der mich sein lässt, wie ich grade bin. Bei dem ich schwach sein darf.
Für wen oder was seid ihr dieses Jahr dankbar? Vielleicht wollt ihr das in der Kommentarspalte bei Facebook hinterlassen? Oder mir persönlich mailen? Ich nehme es gern auf in ein Gebet in einem der nächsten Gottesdienste, die ich halte, spätestens am Reformationsfest.
Ich bin dankbar für viele Menschen, die sich mit auf den Weg machen. Die in schweren Zeiten für andere da sind, ohne zu fragen. Denen es wichtig ist, dass Gemeinde funktioniert. Denen der Nachbar oder die alte Dame im Pflegeheim wichtig sind.
Ich danke Gott für jeden einzelnen, der in unserer Gemeinde mitarbeitet. Und gleichzeitig bitte ich ihn, dass er uns neue Menschen sendet, die sich beteiligen. Denn auch uns geht langsam ein wenig die Puste aus. Wir brauchen dringend neue Mitarbeiter*innen. Vielleicht haben Sie ja Lust?
Für diese Woche wünsche ich euch, habt Zuversicht und bleibst gsund. Nur diese Woche. Für die nächste sorgen wir nächste Woche.