Impuls für die Woche 21.02.2024

Letzte Woche habe ich erfahren, dass eine ehemalige Kollegin von mir vor Gericht steht. Gleichzeitig habe ich erfahren, dass sie inzwischen nicht mehr in der Gemeinde arbeitet, sondern für einen Verlag als Lektorin. Warum stand sie vor Gericht? Sie ist mittlerweile Aktivistin für die letzte Generation. Als solche hat sie drei Minuten den Verkehr auf dem Bochumer Südtring blockiert. Drei Minuten. Und dafür beschäftigen wir ein Gericht. Noch dazu ist der Prozess geplatzt und muss neu angesetzt werfen.
Wir haben als Gesellschaft vieles erreicht. Unser technologischer Fortschritt ist wirklich gut. Gleichzeitig finde ich habe wir menschlich Rückschritte gemacht. Als in den 80ern die atomare Aufrüstung im Gespräch war, haben sich über 100000 Menschen am Ostermontag 1986 bei Wackersdorf zu einer Demonstration zusammen getan. An Pfingsten 1986 kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen auf dem Baugebiet der Wiederaufbereitungsanlage. Der Scheibenwischer, eine Kabarettsendung, die sich kritisch mit den negativen Folgen der Atomenergie auseinandersetzte wurde vom bayrischen Rundfunk aus dem Programm gestrichen. Am letzten Ende wurde die Anlage in Wackersdorf nicht gebaut. Ziviler Widerstand hatte sein Ziel erreicht.
Neuer Schauplatz: Samstag für Samstag ist der Zeitplan der Fußballfans durcheinander gebracht. Die Ultras kämpfen gegen den geplanten Investorendeal der DFL. Und das seit Wochen. Ich muss zugeben, mittlerweile nervt es. Auch, weil es vorhersehbar und berechenbar geworden ist und man sich nichts Neues einfallen lässt. Weil mit einer Arroganz aufgetreten wird, als seien die Ultras das Nonplusultra und weil sie keine anderen Wege suchen, statt der Mehrheit im Stadion auf die Nerven zu gehen. Alles in allem richten sie jedoch keinen Schaden an. Das mediale Echo? Überschaubar.

Bauern demonstrieren und sperren Autobahnauffahrten und nerven damit Verkehrsteilnehmer und ernsten Zuspruch. Die größte Protestbewegung derzeit sind die Demonstrationen gegen Rechtsextremismus und für Demokratie. Sie ernten viel Zuspruch, nur von denen nicht, gegen die sie sich richten.

Schließlich: ja auch die Aktivisten der letzten Generation nerven. Doch sie richten keinen Schaden an. Auch wenn es oft anders dargestellt wird. Das medial Echo? Horrende hoch. Politisch wurden sie bereits als Terrororganisation bezeichnet. Da frage ich mich: geht’s eigentlich noch? Da stellen sich junge Menschen hin und kämpfen für das, was uns alle angeht: unser Klima und die Zukunft. Und wir sind genervt, weil wir länger zur Arbeit brauchen, weil Zufahrtswege zugestellt sind. Medial wird es entsprechend hochgepusht. Doch sie wissen längst, dass es so nicht weitergehen kann.
Und sie haben Jesus auf ihrer Seite. Als es ihm zu bunt wurde mit dem Handel in den Tempeln, hat er sich nicht hingesetzt und Diskussionen angefangen, Er hat gewütet und deutlich gemacht: Mein Haus soll ein Bethaus sein. Ihr missbraucht es.
Ich bewundere meine Kollegin, denn es braucht diese Art von Protest. Gleichzeitig ist es nicht mein Form von Protest. Auf Demos gegen Rechtsextremismus und für Demokratie, da fühle ich mich auch am richtigen Platz. Denn auch hier geht es um unsere Zukunft. Gleichzeitig bewundere ich den Mut, der Aktivisten der letzten Generation. Und sie unterschieden sich auch von den Ultras in den Stadien, denn sie stellen ihre Aktionen um. Gut so. Denn irgendwann nutzt es sich einfach ab.
Wofür stehen wir ein? Sieben Wochen ohne Alleingänge heißt die diesjährige Fastenaktion. Denn gemeinsam bewirken wir viel. Auch an unterschiedlichen Fronten und Stellen. Wichtig ist, dass wir für etwas einstehen. Also, wofür stehst du?

Für diese Woche wünsche ich euch: habts Zuversicht und bleibts gsund. Nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir später.

Einladung zum Gottesdienst für Trauernde

Herzliche Einladung zum Gottesdienst für Trauernde.
Vielleicht ist es schon einige Jahre her, vielleicht war es erst unlängst: Jemand ist gestorben, der Ihnen viel bedeutet hat. Wir feiern einen besinnlichen Gottesdienst, in dem jeder und jede an seine/ihre Verstorbenen denken kann.

SAMSTAG, 16. März um 18 Uhr
in der St. Georgskirche, Neustadt

Impuls für die Woche 07.02.2024

Nächste Woche ist die Faschingswoche. Ich bin ja immer froh, wenn das vorbei ist. Ok, Fastenzeit ist jetzt auch nicht so mein Ding. Deshalb bin ich ganz dankbar für die Aktion der Kirche, Sieben Woche ohne. Denn da geht es jedes Jahr um ein bestimmtes Thema. Das nimmt dem Fasten so den für mich seltsamen Touch. Dieses Jahr lautet das Thema – als hätte man es gewusst – sieben Wochen ohne Alleingänge…komm mal rüber.
Komm herüber uns hilf uns, diese Bitte eines mazedonischen Mannes wurde dem Paulus in einer Vision mitgeteilt. Zur Zeit kommen viele herüber und helfen. In vielen Städten wird dieser Tage für Demokratie und Freiheit demonstriert. Ob in Sonneberg oder München, in Hamburg oder Berlin, tausende stehen auf für Demokratie. Wer hätte gedacht, dass so viele auf einmal demonstrieren gehen. Natürlich, die Rechtsextremen wittern gleich wieder eine Verschwörung der Regierung gegen sie. Auch so mancher nicht Rechtextreme fühlt sich in die Nazi-Ecke geschoben. Da kann ich nur sagen: wer bestimmte Politiker wählt, die es mit Demokratie und freiheitlicher Grundordnung nicht so genau nehmen, der sollte sich nicht wundern, wenn er in der Nazi-Ecke landet. Denn so etwas aus Protest zu tun ist am Ende einfach nur dumm.

Bei aller verständlichen Frustration über die Politik in schweren Zeiten: man muss dann schon schauen, mit wem man läuft und wem man zum Steigbügelhalter wird. Und zwar nicht aus Prinzip, sondern wegen der Botschaften, die hier gesendet werden.
Auch in den politischen Entscheidungen dieser Tage finde ich manches einfach nur dumm. Die Zeiten sind schwer genug, Politik muss darauf achten, dass sie dort wo sie kann, den Menschen auch gute Nachrichten bringt. Nur immer eine schlechte nach der anderen zu überbringen, so verliert man dann eben auch die Gutmütigen.

Komm herüber und hilf uns, so möchte ich meinem Gott zurufen. Hilf und, den rechten Kurs zu finden. Als Gesellschaft, als Kirche, als Gemeinde in so vielen Themen. Wie gehen wir um mit dem Krieg in der Ukraine. Wie finden wir einen Weg, Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt entgegen zu treten und keinen Raum für Täter*innen zu schaffen? Wie gehen wir damit um, dass immer weniger Menschen in der Kirche ihre Heimat finden und das Geld schwindet, das Personal schwindet und vieles nicht mehr möglich ist und so Frust entsteht?

Komm und herüber uns hilf uns…sieben Wochen ohne Alleingänge…die Demos zeigen, wie es geht: gemeinsam. Bei der all der Individualität, bei all den speziellen Digen, die Gemeinden prägen, bei all der gesellschaftlichen Frustrationsstimmung…es geht nur gemeinsam.

Nur gemeinsam können wir denen entgegen stehen, die unsere Demokratie gefährden. Nur gemeinsam können wir denen helfen, die Hilfe suchen auf der Flucht vor Terror und Gewalt. Nur gemeinsam können wir eine Gesellschaft bauen, in der wir einander achten und zusammen stehen. Nur gemeinsam können wir unsere Städte und Dörfer zu Orten machen, an denen es sich gut leben lässt. Egoismus und me first, das wird nicht funktionieren. Und nur gemeinsam kommen wir durch schlechte Zeiten und schaffen wieder bessere. Wenn wir einfach nur schimpfen, dann wird sich nichts ändern. Wenn ihr also bei der nächsten Wahl keinen Platz findet, an dem ihr euer Kreuz setzen wollt, dann setzt es dort, wo ihr wenigsten ein oder zwei Themen findet, mit denen ihr einverstanden seid. Glaubt aber nicht, dass das Kreuz egal an welcher Stelle, denen da oben eines auswischt. Am Ende wischen wir uns damit nur selber eines aus. Sieben Wochen ohne Alleingänge, die Fastenzeit ist ein guter Zeitpunkt, um darüber nachzudenken, wie ich selbst zu einer lebenswerten und positiven Gesellschaft beitragen kann.

So wünsche ich euch: habts Zuversicht und bleibts gsund, nur diese Woche, für die kommende sorgen wir später.

Ökumenische Alltagsexerzitien

Gestalten Sie die Fastenzeit ganz bewusst und gönnen Sie sich Zeit für sich und mit Gott!

In der Passionszeit laden wir Sie ein, sich ganz bewusst in den Glauben einzuüben. Dabei können Sie entdecken, wo und wie Gott in Ihrem Leben wirkt. Es ist Zeit und Raum, Stille zu erleben, miteinander zu beten und biblische Worte zu sich sprechen zu lassen.
Sie nehmen sich täglich (ca. eine halbe Stunde) Zeit für Gebet und Betrachtung.
Einmal in der Woche treffen wir uns zum Austausch über Ihre Erfahrungen.
Unter dem diesjährigen Titel beziehungsweise stehen die fünf Wochen der Exerzitien.

Das Exerzitienbuch wird von einem ökumenischen Team erstellt. Mit seinen Impulsen begleitet es die Teilnehmer durch die fünf Exerzitienwochen. Es wird in der Exerzitiengruppe gebraucht, eignet sich aber auch, wenn man die Exerzitien für sich, ohne Gruppe, machen möchte.

Die Ökumenischen Alltagsexerzitien finden ab dem 19. Februar 2024 jeweils montags von 18.00 Uhr bis 19.00 Uhr im „Haus der Begegnung“ in Haarbrücken statt. Hier finden Sie alle wichtigen Daten:

1. Leitung
Pastorale Mitarbeiterin Martina Braun (0172 – 86 05 477; martinabraun14@gmail.com)

2. Termine
19.02.2024: Eröffnungsgottesdienst & 1. Treffen „Willst du mit mir gehen?“
26.02.2024: 2. Treffen „Du nimmst mich wie ich bin“
04.03.2024: 3. Treffen „Es ist gerade kompliziert“
11.03.2024: 4. Treffen „Beziehungen pflegen und vertiefen“
18.03.2024: 5. Treffen „Für jetzt und immer“
25.03.2024: Abschlussgottesdienst

3. Exerzitienbücher
Preis: 6,00 € pro Heft
Ausgabe ab dem 19. Februar 2024

Wir bitten Sie darum, dass Sie sich bei uns anmelden, wenn Sie an den Ökumenischen Alltagsexerzitien teilnehmen möchten, damit wir für Sie ein „Exerzitienbuch“ bestellen können. Tun Sie dies bitte bis spätestens 12. Februar 2024, entweder über das Pfarramt Nec (Tel 5312), das Pfarramt Haarbrücken (Tel 6669) oder Martina Braun.
Wir freuen uns auf Sie.

Festkonzert zum 175-jährigen Kirchenjubiläum von St. Georg

Das Festkonzert zum 175-jährigen Kirchenjubiläum von St. Georg, das im Oktober letzten Jahres stattfinden sollte und wegen Krankheit ausfallen musste, wird nun am Sonntag, dem 10. März um 17 Uhr nachgeholt. Auf dem Programm steht die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart.
Mozart komponierte diese Messe im Jahr 1779 für den Ostergottesdienst in Salzburg. Den heute gebräuchlichen Namen Krönungsmesse erhielt die Messe wegen ihres festlichen Charakters erst später. Sie gehört zu den beliebtesten und bekanntesten kirchenmusikalischen Werken Mozarts und erklingt in der St. Georgskirche nun zum ersten Mal. Die Kantorei, die in diesem Jahr auch ihr 50-jähriges Bestehen feiert, singt zusammen mit Musikern aus dem Orchester des Landestheaters Coburg. Dazu treten die vier Solisten Luise Hecht (Sopran), Stefanie Ernst (Alt), Sascha Mai (Tenor) und Martin Trepl (Bass) auf, alle vier ebenfalls vom Landestheater Coburg. Die Leitung liegt bei Kantor Markus Heunisch. Da die Hofmann-Orgel ebenfalls 175 Jahre alt geworden ist, soll auch sie im Konzert erklingen. Die Kirchenmusikstudentin Johanna Heunisch spielt, begleitet von Mitgliedern des Orchesters des Landestheaters Coburg, das Orgelkonzert Op. 4 Nr. 4 in F-Dur von Georg Friedrich Händel.

Karten gibt es ab 5. Februar 2024 im Vorverkauf und an der Abendkasse
Vorverkauf: 13 € (Schüler und Studenten 6 €) im Evang. Pfarramt am Glockenberg 7
Abendkasse: 15 € (Schüler und Studenten 6 €)

Impuls für die Woche 24.01.2024

Es waren bewegende Bilder am Wochenende in vielen Städten Deutschlands. Menschen sind auf die Straße gegangen, um für die Demokratie und gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. Anlass war ein Bericht des Correctiv, dass im November letzten Jahres ein Geheimtreffen stattgefunden habe, bei dem es darum ging, Menschen aus Deutschland auszuweisen. Und zwar nicht nur solche, die keine Aufenthaltsberechtigung haben, sondern bis dahin, dass man willkürlich jeden ausweisen könne, der einem nicht in den Kram passe. Das scheint einen Nerv getroffen zu haben.

Und diese Demonstrationen haben auch einen Nerv getroffen. Denn auf Seiten gerade der AfD reagiert man empfindlich getroffen.
Mich hat beeindruckt, wie dieses Thema aus dem Nichts die Massen mobilisiert hat. Demonstrationen mussten abgebrochen werden, weil zu viele Menschen kamen. Beispielsweise in München. Da gibt es viele Menschen, denen Freiheit und Demokratie wichtig sind und die nicht mehr bereit sind zu akzeptieren, dass auf diesen Prinzipien herumgeritten wird. Keine Millimeter nach rechts ist eines der Schlagworte.
Gemeinschaft macht stark, das gilt also auch für positive Dinge. Und das ist gut und wichtig. Denn einer der größten Verdienste unserer Großeltern ist die Schaffung eines freiheitlichen Staates nach 12 Jahren Faschismus und Nationalsozialismus in Deutschland. Eines Staates, in dem jeder sagen darf, was er will ohne fürchte zu müssen, dafür bestraft zu werden. Auch die, die denken, man dürfe ja nichts mehr sagen.
Die englische Schriftstellerin Evenlyn Beatrice Hall schrieb in ihrer Biographie über Voltaire: „Ich missbillige, was du sagst, aber ich werde bis zum Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen.“ Und Jesus hat gesagt: Eure Rede sei Ja ja und Nein nein. Da geht es um Wahrhaftigkeit. Bei beiden. Niemals darf es mehr sein, dass bei uns Meinungen unterdrückt werden, und seien sie noch so seltsam. Gleichzeitig gilt: wer die Grundfesten der Demokratie aushebeln oder angreifen will, der muss mit Gegenwind rechnen. Und das ist gut so.

Gemeinschaft macht stark. Wenn wir also zusammenhalten, wenn wir auch so manche Politikverdrossenheit um den größeren Gutes willen runterschlucken, dann haben Rechtsextremismus, Nationalsozialismus und Faschismus keine Chance bei uns. Und so muss es bleiben. Egal, welcher Hautfarbe, Herkunft, sexueller Ausrichtung oder was auch immer du angehörst: bei uns kann du sicher und in Frieden leben. Das muss die Botschaft sein. Egal, ob sich jemand politisch rechts, links oder in der Mitte verortet.
Kämpfen wir dafür, dass es so bleibt. Überlassen wir nicht den Rechtspopulisten das Feld. Kämpfen wir im Sinne Jesu für Frieden und Freiheit. Und hoffen wir, dass es beim einem Kampf mit Worten bleibt.
Es ist jetzt wichtig Stellung zu beziehen und standhaft zu bleiben. Die schweigende Mehrheit muss jetzt laut werden für Freiheit und Demokratie. Und dabei gilt: es ist immer besser für etwas zu sein, als gegen etwas zu sein. Und so ist es auch hier. Eure Rede sei Ja ja und Nein nein. Klar und deutlich und wahrhaftig sollen wir sein. Wofür wir auch immer einstehen.

Für diese Woche wünsche ich euch: habts Zuversicht und bleibts gsund. Nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir später.

Impuls für die Woche 17.01.2024

„Das Jahr ist schnell verflogen“ so habe ich neulich von jemandem gehört im ausgehenden Jahr. Als ich an Weihnachten auf die Adventszeit zurückgeschaut habe dachte ich auch: das ging aber schnell. Und dann ist Weihnachten auch so schnell vorbei.
Dabei vergeht Zeit ja immer gleich schnell. Allerdings erleben wir die Zeit unterschiedlich. In der Wissenschaft hat man herausgefunden, dass viele neue Erlebnisse die Zeit langsamer erscheinen lassen, wohingegen Routine und immer gleiche Abläufe das Gefühl geben, die Zeit verginge wie im Flug. Des liegt daran, mit welcher Geschwindigkeit unser Gehirn die Eindrücke verarbeitet. Unsere innere, gefühlte Zeit wird von den Eindrücken beeinflusst, die auf unser Gehirn einwirken. Je älter wir werden, desto langsamer werden Bilder vom Gehirn aufgenommen und verarbeitet. Es werden weniger Bilder in der gleichen Zeit verarbeitet, also füllen weniger Erlebnisse das Gehirn – und die Zeit vergeht schneller. Mehr Bilder führen hingegen zu mehr gefühlten Erlebnissen, die gefühlte Zeit vergeht langsamer.

Wenn wir also im Rückblick das Gefühl haben, die Zeit wäre wie im Flug vergangen, dann liegt das wohl abgesehen vom Alter daran, dass wir in unserem Alltag weniger erste Mal erlebt haben, weniger Neues, sondern das Gewohnte unseren Alltag bestimmt hat. Es ist auch natürlich, dass wir, wenn wir älter sind, bereits vieles schonmal erlebt haben, während jüngere Menschen vieles zum ersten Mal erleben.
In der Bibel heißt es „Kauft die Zeit aus, die denn Tage sind böse“. Dabei geht es um eine sinnvollen Umgang mit unserer Zeit. Ich finde, beide Haltungen habe ihre Berechtigung und ihre Zeit. Es braucht das Gewohnte, um den oft stressigen Alltag zu meistern. Und es braucht das neue, das erste Mal, um nicht im Alltag unterzugehen oder sich zu langweilen und zu unterfordern.

Ich habe mich dann gefragt, warum meine Adventszeit für mein Gefühl so schnell vorbei gegangen ist. Ich hatte auf der einen Seite eine schöne Adventszeit, die von Ritualen und festen Abläufen genauso geprägt war wie von Überraschungen. Mein Jahr 2023 war ein gefülltes Jahr mit Gewohntem und normalem und vielem, was sich verändert hat und deshalb neu war. Also eine gute Mischung. Und genauso habe ich den Ablauf des Jahres erlebt.
Kaut die Zeit aus, das heißt für mich, mir immer wieder zu überlegen, was ich tue, warum ich es tue und mir auch genug Ruhephasen zu gönnen. Und ich sage bewusst „gönnen“, denn mit Ruhepausen tun wir uns meiner Erfahrung nach oft schwer. Soviel muss doch noch erledigt werden. Da fällt mir dann immer öfter eine Liedzeile von Wolfgang Buck ein: Die meiste Arbeit erledigt sich von selbst, wenn man sie lange genug liegen lässt. Das ist kein Freibrief für Faulheit, das heißt nur, dass die meisten Dinge, die wir für ach so wichtig halten, im Prinzip gar nicht so wichtig sind. Deshalb will ich noch mehr darauf achten, wichtiges von wichtig gemachtem zu unterscheiden und mir genügen Ruhepausen zu gönnen mit und für die Menschen, die ich liebe und für mich selbst.

Für die kommende Woche wünsche ich euch: habt´s Zuversicht und bleibst gesund, nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir – wie immer – später.

Impuls für die Woche 10.01.2024

Die Jahreslosung für 2024 lautet „Alles was ihr tut geschehe in Liebe“. Für mich hat diese Losung für 2024 drei Richtungen. Und darin ist sie eine richtig gute Jahreslosung.

Mir sagt sie, dass alles, was mir geschieht in Liebe geschieht. Nämlich in Gottes Liebe. Alles, was auf mich zukommt, muss vorher an Gott vorbei. Es ist sozusagen God approved. Von ihm bewilligt. Und daraus folgt: egal, was passiert, er ist bei mir, er geht mit. Für das neue Jahr ist das einer der schönsten Gedanken, den ich denken kann. Was auch immer auf mich wartet, ich bin begleitet. Ob das in gesundheitlichen Fragen ist, in privaten Umständen, in beruflichen Veränderungen. Ich bin begleitet und bei Gott sogar geborgen. Denn ob ich schon wanderte im finstern Tal fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Die zweite Richtung. Viele Menschen haben derzeit das Gefühl, dass es an allen Ecken und Enden brennt. Wir haben das gerade bei den Bauernprotesten erlebt bzw. erleben es nach wie vor. Das wirkt sich auf die Stimmung aus. Mir kommt alles ein wenig aggressiver vor. Politisch, gesellschaftlich, im kleinen wie im großen. Wie sagt man so schön? Die Zündschnur ist kürzer geworden. In Zeiten, in denen es nicht mehr teil bergaufgeht, sondern stagniert oder vielleicht sogar hier und da bergab zu gehen scheint, ist es schwierig, an der Spitze zu stehen. Denn man hat keine guten Nachrichten zu verteilen. Man muss Mangel verwalten, Ab- und Umbau managen. Davon bleibt auch unsere Kirche nicht verschont. Und diese Zeit stellt massive Anfragen an uns als Menschen. Denn ich erlebe es oft, dass wir zwar alles wollen, den Preis dafür aber nicht zu bezahlen bereit sind. Das sollen am besten andere machen. Wir wollen zwar soziale Tätigkeiten und Leistungen von Kirche, doch die Kirchensteuer wollen wir nicht bezahlen. Doch ohne die geht es eben nicht. Auch Kirche unterliegt den Gesetzen des Marktes. Wir können nur ausgeben, was wir einnehmen. Die Jahreslosung mahnt uns, dass wir einander in Liebe begegnen. „Alles was ihr tut geschehe in Liebe“. Dann kann in der Sache hart, aber sachlich gerungen werden um gute Wege und ich muss den anderen nicht persönlich fertig machen. Auch die nicht, die an der Spitze stehen.

Und schließlich mahnt mich die Losung, mich an die eigene Nase zu fassen und nicht immer nur die anderen zu ermahnen. Und da wird sie herausfordernd. Denn wir zeigen gern mit dem Finger auf die anderen. Ich erlebe das bei meinen Schülerinnen und Schülern. „Wenn der andere angefangen hat, sehe ich es gar nicht ein, dass ich mich wegsetzen soll oder aufhören soll.“ Das ist eben kurzsichtig, denn man bleibt dann in der Position des genervten und geärgerten, statt sich in eine starke Position zu begeben und die Situation so zu verändern. Denn verändern können wir immer nur uns und unsere Haltung, nicht die der anderen. Da endet unser Einfluss.
Ja, diese Losung macht mir Mut, offenen Auges ins neue Jahr zu gehen. Egal, was passiert, ich bin begleitet und geborgen.
In diesem Sinn: alles was ihr tut geschehe in Liebe.

Für diese Woche wünsche ich euch: habts Zuversicht und bleibts gsund. Nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir später.

Impuls für die Woche 20.12.2023

Am Sonntag ist heilig Abend. Es ist ein besonderer heilig Abend, denn er fällt mit dem 4. Advent zusammen. Das stellt manche Kirchengemeinden vor Herausforderungen, denn wer kommt am Sonntag vormittag zu einem Gottesdienst, wenn am Sonntag nachmittag bereits Heilig Abend ist? Zurecht finden am Sonntag vormittag dann oft keine Gottesdienste statt. Dennoch bringt der 4. Advent etwas ganz besonderes mit. Nämlich die laute unverhohlene Freude. Der Wochenspruch für den 4. Advent lautet: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! An heilig Abend ist bereits vom Licht die Rede, das das Volk sieht, das im Finstern wandelt. Im Vordergrund steht die Hoffnung, die Stille der Nacht, in die Verzweiflung über die vergebliche Herbergssuche langsam der Freude weicht.

Doch der 4. Advent ruft uns zu: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! Das ist die kindliche Vorfreude auf das Klingeln, wenn die Bescherung ansteht. So eine unschuldige Freude, die uns manchmal abgeht. Gerade in diesen schweren Zeiten, wo es nahezu jeden Tag etwas gibt, über das man sich wundern oder aufregen kann. Es gibt ja auch vieles, das uns die Freude verderben kann: Krankheit, Schwere Lebenserfahrungen, Liebeskummer,
Sorgen, Unzufriedenheit, Mangelndes Selbstbewusstsein, die Nachrichten, die immer schlecht sind, die Situation in der Welt, Terror, Krieg, Bürgerkrieg. Da kann man die vielen Dinge, über die man sich freuen kann schonmal übersehen. Doch es gibt sie. Man muss sie nur sehen wollen. Für mich ist das eine gelungen Partnerschaft, eine gesunde Familie, Kinder, die ihren Weg gefunden haben, das nächste Legomodell, das ich bauen will, ein sportlicher Sieg meiner Lieblingsmannschaft, ein lustiger Film, oder mal wieder mein Lieblingsfilm, ein gutes Essen, ein schöner Wintertag, mein Adventskranz, ein Spaziergang über den Weihnachtsmarkt, die Tüte Magenbrot und und und. Es gibt so viel Grund zur Freude. Mach die Augen auf für die Freude in deinem Leben. Freu dich an den Menschen und den Dingen, die dir in deinem Leben schon begegnet sind.

Die biblische Aufforderung Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! Ist ein Geschenk. Sie richtet unseren Blick weg von all dem Schweren und richtet unseren Blick auf den Grund all unserer Freude und der schönen Dinge: unseren Herrn. Diese von ihm geschenkte Freude lenkt unseren Blick – und sei es nur für einen Moment – weg von den Sorgen, den großen und kleinen Ärgernissen des Alltags.
Ich wünsche euch, das sihr euch vlt. in den kommenden Tage nochmal eine Kerze anzündet und einfach kurz nachdenkt, worüber in eurem Leben ihr euch freuen könnt. Genießt diesen Moment der Freude und geht mit dieser Freude in ein gesegnetes und fröhliches, unbeschwertes Weihnachtsfest, an dem all die Dinge, die sich schwer anfühlen, für einen Moment in den Hintergrund treten dürfen.

Damit lässt sich dann gut ins neue Jahr gehen. Dabei soll euch die Jahreslosung begleiten, die lautet: Alles was ihr tut geschehe in Liebe. So wünsch euch ür die letzten Tage des alten und die ersten Tage des neuen Jahres:
Habts Zuversicht und bleibts gsund, nur diese Wochen. Für all die anderen im neuen Jahr sorgen wir später.

Impuls für die Woche 13.12.2023

Es war eine Konfifreizeit vor vielen Jahren. Der schwierigste Zeitpunkt einer Kon-fifreizeit ist der Sonntag rund ums Mittagessen. Alle sitzen auf gepackten Koffern, die Zimmer sind geräumt und so richtig was zu tun gibt es nicht mehr. Also haben wir versucht, die Jugendlichen für Musik zu begeistertn. Wir haben das ein oder an-dere Lied gesungen und ihnen gezeigt, wo sie diese Lieder auf youtube in Rockversi-onen finden können. Großes erstaunen, dass es solche Lieder – es waren Lobpreis-lieder – auch von Rockbands als Rock und Popsongs gibt und dass die sogar Spaß machen.
Eines dieser Lieder, das mir heute noch immer gut gefällt, heißt „Bahnt einen Weg unserm Gott. Dieses Lied macht einfach Spaß, die Melodie passt und der Inhalt be-schreibt die Majestät Gottes auf eine Weise, die mir genau entspricht. Denn das Lied beginnt mit der Aufforderung dem Herrn einen Weg zu bahnen und schließt sofort den wichtigsten Gedanken an. Der uns erlöst von der Not. Erst dann kommen die Herrlichkeitsbeschreibungen Gottes. Und so erlebe ich meinen Gott: erst erlöst er aus der Not und dann sitzt er auf dem Thron. Er steigt vom Thron, erweist sich in der Geburt Jesu in einem ärmlichen Stall als ein naher liebevoller Gott, der es eben nicht nötig hat, auf einem Thron zu sitzen. Bereitet dem HERRN den Weg; denn sie-he, der HERR kommt gewaltig. So lautet unser Wochenspruch. Das klingt mit dem Wort „gewaltig“ ganz schön massiv. Ich versteh das „gewaltig“ so, dass wir das manchmal nötig haben. Wenn ich mir unsere Gesellschaft so anschaue: da stellt sich ein österreichischer Arzt hin und sagt: „Junge kinderlose Frauen, die eine Sterilisa-tion wollen, müssen mir erstmal glaubhaft machen, dass sie sich der Tragweite dieser Entscheidung bewusst sind.“

Ein Kind zu bekommen ist eine weitreichende Entscheidung. Doch niemand erwar-tet von einer Frau oder einem Paar einen Beweis dafür, dass sie sich der Tragweite der Entscheidung bewusst sind.
Da fühlt jemand, dass er im falschen Körper auf die Welt gekommen ist. Und wir erwarten, dass aufwändig und intimsphärenverletzend begründet wird, dass man sich der Tragweite der Entscheidung bewusst ist. Ja wo leben wir denn? Wir müssen endlich anfangen, erwachsenen Menschen als erwachsen zu behandeln und nicht un-ser eigenes Weltbild absolut zu setzen und nicht zu glauben, jeder habe so zu denken, zu fühlen und zu handeln wie wir. Wir haben als Menschheit und Gesellschaft noch einen langen weg vor uns. Deshalb muss Gott gewaltig kommen. Damit wir, ich sage das mal salopp, endlich den Knall hören.

So manches Mal kann man sich fragen, wo denn dieser Gott gerade ist. Bei mir war es die Trennung nach über 20jähriger Partnerschaft, die mein ganzes Leben, aber eben auch meinen Glauben nach dem warum hat fragen lassen. Bei dir ist es viel-leicht eine Krankheit, der Tod eines geliebten Menschen, finanzielle Schwierigkeiten, Streit in der Familie oder anderes. Es gibt so vieles im Leben, das auch den Glauben erschüttern kann.
Und oft stellt sich erst später heraus, wie richtig das doch war, wie sehr uns manch-mal die Weitsicht fehlt. Heute sind wir froh, dass diese Partnerschaft geendet hat und an ihre Stelle etwas neues treten durfte. Das sind Erfahrungen, die es seit Jahr-tausenden gibt. Mose, der sich zu schwach für seine Aufgabe fühlte, Jona, der mit Gott haderte, Petrus der glatt raus lügt, er würde mit Jesus nichts zu tun haben, Ju-das, der aus blanker Gier Jesus verrät. Die Bibel ist voll von Menschen, die wir vor-schnell als Versage betiteln würden. Weihnachten zeigt uns, dass dem nicht so ist, dass das einfach nur Menschen sind. Weihnachten bringt die Menschlichkeit, Liebe, Freude und Hoffnung in die Welt. Und darin kommt Gott gewaltig, in dieser totalen Andersartigkeit. Mögt ihr diese Andersartigkeit in diesen Tagen besonders erleben.

Für diese Woche wünsche ich euch: habts Zuversicht und bleibts gsund, nur diese Woche, für die kommende sorgen wir später.