Geschwisterliebe

Die letzten Wochen haben uns vor Herausforderungen ungeahnter Ausmaße gestellt. Was für die einen unverständlich ist, das ist für die anderen etwas, das ihnen Angst macht. Wie geht wir damit um, dass die Schere dessen, was und wie wir es erleben, so auseinander geht? Uns die Köpfe einschlagen ist ganz sicher der falsche Weg. Der Hebräerbrief gibt eine Lösungsidee wieder. Dort heißt es: Lasst nichts eure Liebe zueinander beeinträchtigen; durch Christus seid ihr ja Geschwister
Jeder scheint vor allem zuerst auf sich zu schauen. In den Schulen fragt man sich, wie es im September weitergehen soll. In den Kindergärten fragt man sich, warum alles auf dem Rücken der schwächsten ausgetragen wird. Impfen oder nicht impfen? Testen oder nicht testen? Alles nur ein großes Schauspiel für irgendwelche dubiosen Vorsätze? In den Bundesländern schaut jeder weitestegehend auf sich. In der europäischen Union ebenfalls. Man klopft sich auf die Schulter, wie gut man durch die Pandemie komme.

Lasst nichts eure Liebe zueinander beeinträchtigen; durch Christus seid ihr ja Geschwister

Auf sich schauen hat seine Berechtigung, um Kraft zu schöpfen. Manchmal braucht es die Einkehr, um zu sich zu finden. Die einen gehen dafür ins Kloster, andere suchen an anderen Orten beim Sport oder in der Musik ihre Kraft. Auch Jesus hat in Gethsemane die Kraft in der Stille gesucht. Dann ist er jedoch aufgebrochen. Er wusste sich zu den anderen gesandt. Wir sollten einander im Auge und im Herzen behalten.
Wenn jeder an sich selber denkt, dann ist zwar an jeden gedacht, doch mit Gemeinschaft hat das wenig zu tun. Geschwister streiten sich auch mal. Doch sie vertragen sich auch wieder und gehen dann gemeinsam weiter. Es gilt: „Lasst nichts eure Liebe zueinander beeinträchtigen …“ Keine Engstirnigkeit, keinen Ärger, keine Angst. Gott, der alles geschaffen hat, der wird auch alles zu einem guten Ende bringen.

Für die kommenden Wochen im Sommer wünsche ich euch: habt Zuversicht und bleibts gsund. Nur für den Sommer. Was im September sein wird, dafür sorgen wir im September.

Das Gesetz Gottes: bedingungslose Liebe

Rechtsverordnungen sind kompliziert. Wir erleben schon seit Wochen eine engagierte Debatte darüber, inwiefern die Corona-Verordnungen gerechtfertigt sind, ob sie noch Sinn machen oder wie tief der Eingriff in unsere Freiheitsrechte sein darf. Rechtsverordnungen rangieren gleich hinter den Bundesgesetzen und müssen vom Inhalt, Ausmaß und Zweck her der erteilten Ermächtigung im förmlichen Gesetz hinreichend bestimmt sein. Sie haben also einen rechtsverbindlichen Hintergrund und sollten nachvollziehbar sein. Das schützt uns alle vor Willkür und Diktatur, auch wenn manche derzeit der Meinung sind, dass wir uns genau darauf zubewegen. Doch am Ende heißt es: Gesetz ist Gesetz. Und das kennt nur Buchstaben und Paragraphen und ist vollkommen emotionslos.

Gott hat mit Abraham und all seinen Nachkommen einen Bund geschlossen. Daran sind Gebote geknüpft, deren Befolgung eingefordert wird. Gott sagt: „Haltet euch daran, dann soll es euch im Leben helfen. Missachtet ihr es, müsst ihr die Konsequenzen tragen.“
Israel hat mit Gott und seinen Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit über die Jahrhunderte gerungen. Auch deshalb, weil es immer wieder in Konflikt mit ihnen kam. Zum Beispiel beim Tanz um das goldene Kalb. Seltsamerweise hat es sich immer dann darauf berufen, wenn sie die negativen Konsequenzen ihres Verhaltens zu spüren bekamen. „Sind wir nicht dein Volk? Bist du nicht unser Gott?“ Ihre eigene Untreue versuchten sie mit der Treue Gottes aufzuwiegen. Und tatsächlich: Sie konnten den Bund so oft wie sie wollten ignorieren und die Gebote übertreten – mit teilweise katastrophalen Folgen für den Staat und die Menschen. Gott hielt sich an seinen Bund und ließ Israel nicht fallen, sondern half ihm immer wieder auf die Beine.
So ist unser Gott. Er ist ein Gott, der sich – wie auf Golgatha geschehen – behandeln lässt wie der letzte Dreck … und der dennoch zu seinem Wort steht! Denn seine Gebote wurden mit Liebe geschrieben. Im Gegensatz zu unseren Gesetzen ist Gottes Rechtsbestimmung voller Gefühl. Sie ist Ausdruck einer tiefen Zuneigung. Sie ist uns als Jesus Christus vertraut. In ihm wurde anschaulich, wie Gott den Menschen begegnet: liebevoll, zugewandt, tröstend, aufrichtend … Das Gesetz Gottes hat nur fünf Buchstaben. Liebe. Und das reicht.

Für diese Woche wünsche ich euch: bleibts gsund. Nur für diese Woche. Das genügt. Um die nächste sorgen wir uns dann.

Von angebundenen Katzen und Vertrauen

Meister, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und haben nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen.

So sagt es Petrus zu Jesus. Er fordert ihn auf, die Netze auszuwerfen, nachdem sie einen Nachtlang vergebens gefischt haben und mit nichts dastanden. Jesus will mehr und er wie: wer vertraut, der wird auch mehr bekommen. Petrus fällt es schwer, das zu glauben. Doch das Wort Jesu ist ihm genug. Er hat mit Jesus die Erfahrung gemacht, dass er zu seinem Wort steht. Dass er ihm vertrauen kann. Also fährt er nochmal hinaus. Tags zu fischen macht zwar keine Sinn, doch wenn Jesus das sagt, dann wird da was dran sein.
Ich finde das beeindruckend. Jesu Wort genügt ihm. So sehr vertraut er ihm. Alles, was er gelernt hat, was er schon immer so gemacht hat, im Licht der Worte Jesu ist er bereit, neues zu wagen. Wie oft verharren wir in Traditionen, weil wir sie schon immer so gemacht haben. Ob Sie Sinn ergeben, lassen wir offen. Ob wir sie brauchen, lassen wir offen. Manchmal ist das gut, denn sie geben Halt. Manchmal sind es auch nur angebundene Katzen. Dinge, die wir getrost loslassen dürfen.

Denn mit angebunden Katzen ist es so: Ein Abt hielt regelmäßig im Kloster mit seinen Mönchen das Abendgebet. Eines Tages lief eine Hauskatze in den Raum, strich umher, schnurrte den Jüngern um die Füße, ja sprang ihnen auf den Schoß und lenkte von der Andacht ab. Darauf ordnete der Abt an, dass die Katze um diese Zeit draußen angebunden werden sollte. So machte man es und man konnte ungestört beten. Die Zeit verging. Der Abt starb. Sein Nachfolger hielt sich streng an die Tradition, dass während des Abendgebets eine Katze angebunden sein muss. Die Zeit verging. Auch die Katze starb. Es wurde eine neue Katze angeschafft, um sie während des Abendgebets draußen anbinden zu können.
Weil die einfachen Leute den Sinn dieser Maßnahme nicht verstanden, traten Theologen auf den Plan und schrieben ein zweibändiges Werk mit vielen Fußnoten über die Heilsnotwendigkeit einer angebundenen Katze während des Abendgebets. Mit der Zeit jedoch kam des Abendgebets selbst ganz außer Gebrauch. Niemand interessierte sich mehr dafür. Aber mit größter Treue wurde weiterhin abends während der Zeit, in der früher die Abendmeditation statt fand, draußen eine Katze angebunden.

Jesus vertrauen heißt Katzen abzubinden. Welche Katze ist das in eurem Leben? Ich wünsche euch eine gute Woche mit guten Gedanken. Bis nächsten Mittwoch.

Impuls für den Tag 31.05.2020

Man muss schnell handeln, bevor die Chance verstreicht.

Ich finde, das passt zu Pfingsten. Als die Jünger damals mit dem heiligen Geist erfüllt wurden war das Eisen sozusagen heiß. Die Jünger brannten vom Eifer, der Welt von Jesus zu berichten. Von ihm zu erzählen, seine Geschichten weiter zu geben. Also gingen sie los. Die Paulusbriefe zeigen, wie das nach einer oder zwei Generationen aussah. Die erste Euphorie war verflogen. Streit war an der Tagesordnung.
Ähnlich geht es uns zur Zeit. Uns geht in der Pandemie die Puste aus. Das Warten braucht viel Geduld. Wir sehnen uns nach Normalität. Wir wünschen uns Kino, Theater, Sport, Urlaub, Konzerte. Am liebsten alles sofort und auf einmal. Thorsten Sträter hat das so gesagt: „Ich will wissen, wann es weiter geht. Und zwar jetzt.“ Die Zeit des heißen Eisens ist sozusagen vorbei. Jetzt geht es darum einen langen Atem zu entwickeln. Das gehört zum Schmieden dazu.
Ich halte es für sehr wichtig, Gelegenheiten beim Schopf zu packen, wenn sie sich bieten. Manchmal braucht es dann im gleichen Zug den langen Atem. Da wünscht sich jemand einen Anbau an eine Schule oder einen Kindergarten. Doch die Gelegenheit ist noch zu weit weg. Und auf einmal bietet sie sich. Dann zu warten ist fatal. Ein Eisen zu schmieden, so lange es heiß ist, heißt auch, den rechten Zeitpunkt zu erkennen. Es zu schmieden , wenn es noch kalt ist, ist genauso wenig erfolgbringend wie den rechten Zeitpunkt zu verpassen.

Für heute wünsche ich euch: Habt Zuversicht und bleibt gesund. Nur für heute. Das genügt. Um das morgen sorgen wir uns morgen.

Impuls für den Tag 30.05.2020

Aus den Augen, aus dem Sinn.


Sofortiges Vergessen einer Angelegenheit, Sache oder Person, sobald sie „außer Sichtweite ist“.
Amerikanische Psychologen haben herausgefunden, dass die Speicherkapazität des am visuellen Kurzzeitgedächtnis beteiligten Hirnareals extrem begrenzt ist. Daher werden Einzelheiten komplexer optischer Eindrücke häufig schnell wieder vergessen. Was einerseits in der Beschaffenheit unseres Gehirns begründet liegt, ist andererseits ein Schutzmechanismus. Unangenehme Dinge verdrängen wir gerne oder wir suchen die Schuld bei anderen. Das schützt uns, damit wir überhaupt unser Leben gut meistern. Es hilft uns, unangenehme Situationen gut zu verarbeiten. Sei das eine zerbrochenen Partnerschaft oder Freundschaft, sei das der Verlust des Arbeitsplatzes, der Tod eines lieben Menschen oder anderes. Verdrängung hilft uns dann über ein Stück durch die Trauer. Sie ist ein Schritt auf dem Trauerweg.
Manche Dinge wollen wir auch nicht sehen. Dann wird es kritisch. Deshalb finde ich das biblische Prinzip „Alles hat seine Zeit“ sehr entlastend. Ich darf auch einfach mal Dinge ausblenden. Sie kommen wieder, wenn ihre Zeit gekommen ist. Ich darf mich entlasten. Ich darf Dinge aus den Augen und aus dem Sinn streichen, und sei es nur vorübergehend.

Für heute wünsche ich euch: Habt Zuversicht und bleibt gesund. Nur für heute. Das genügt. Um das morgen sorgen wir uns morgen.

Impuls für den Tag 29.05.2020

Ende gut, alles gut.

Der positive Ausgang einer Sache lässt die negativen Dinge, die sich vorher ereignet haben, unwichtig werden. Wir atmen auf, wenn nach schlechten Ereignissen eine Sache ein gutes Ende genommen hat. Hauptsache es ist gut geworden. Mir geht das manchmal zu schnell. So sehr die Freude da ist, so sehr bleibt manchmal eine Frage: was wird wenn wir nächstes Mal weniger Glück haben? Was können wir tun, um das zu verhindern, einen besseren Weg zu beschreiten.
Das klingt manchmal zunächst negativ. Und der Blick wandert damit eher an den ungünstigen Verlauf als an das gute Ende. Dennoch halte ich beides für wichtig: zu sehen, es ist gut gegangen. Sich darüber zu freuen. Und sich gleichzeitig bewusst zu machen: nächstes Mal brauchen wir einen anderen Weg. Zu lernen ist auch in der derzeitigen Pandemie notwendig. Damit so etwas beim nächsten Mal von Anfang an gut gehandhabt wird. Mit „Ende gut alles gut“ diese Denkweise vom Tisch zu wischen, ist mir dann zu einfach.

Für heute wünsche ich euch: Habt Zuversicht und bleibt gesund. Nur für heute. Das genügt. Um das morgen sorgen wir uns morgen.

Impuls für den Tag 28.05.2020

Auge um Auge, Zahn um Zahn.


Ein zugefügter Schaden muss in gleichem Maße beglichen werden.
Dieses Sprichwort entstammt der Bibel. Es ist Bestandteil der damaligen Rechtssprechung gewesen. Dieser Aufruf zu Rache und Vergeltung hört sich für unsere Ohren sehr hart und streng an. Für die damalige Zeit, als die Bibelverse niedergeschrieben wurden, bedeutete das Gesetz jedoch Sicherheit. Denn die Regelung begrenzt das Ausmaß der Rache auf nur eine Person, wodurch dessen Familie zum Beispiel verschont blieb. Und sie begrenzten das Ausmaß der Wiedergutmachung oder Vergeltung auf das Maß des entstandenen Schadens.
Insofern ist das ein positives Sprichwort, das in unserer Zeit oft negativ ausgelegt wird.
Im deutschen Sprachgebrauch wird das Sprichwort negativ ausgelegt. Es geht also in diesem Zusammenhang oft um Rache. Eine solche Regel könnte genauso bei freudigen Ereignissen gelten. Wenn mir jemand etwas gutes tut, dann soll ich ihm auch etwas gutes tun. So kann das Sprichwort auch verstanden werden. Ich glaube, das täte unserer Gesellschaft gut.

Für heute wünsche ich euch: Habt Zuversicht und bleibt gesund. Nur für heute. Das genügt. Um das morgen sorgen wir uns morgen.