Impuls für die Woche 10.07.2024

Kompliziert wirkt weniger schlau, hab ich neulich gelesen und mich gewundert. Denn meiner Erfahrung nach glauben viele oft, dass es schlau wirkt, wenn jemand kompliziert schreibt. Auf den ersten Blick spricht sicher einiges dafür, komplizierte Ausdrücke zu verwenden. Intelligentere Personen haben einen größeren Wortschatz und komplexe Ideen lassen sich nicht immer einfach beschreiben. So müssten doch kompliziertere Texte auch aus der Feder von intelligenteren Menschen stammen. Andererseits raten die meisten Schreibexperten zur Einfachheit: Einfache Texte lesen sich flüssiger und lassen sich leichter verstehen. Die leichter zu verarbeitenden Inhalte wiederum könnten zu einer positiveren Einschätzung des Verfassers führen. In der Kirche reden wir oft gerne kompliziert und damit ganz anders, als unser Anspruch ist. Martin Luther hat gesagt: Ihr müsst dem Volk aufs Maul schauen. Wenn ich wilkl, dass andere mich verstehen, ist es gut, sich beim Reden anzupassen. Bei Paulus heißt das dann so: Den Juden wird er ein Jude, den Griechen ein Grieche, den Schwachen ein Schwacher.

Daniel Oppenheimer von der Princton University hat in 5 Experimenten die Frage untersucht, ob wir intelligenter wirken, wenn wir weniger kompliziert sprechen. Und er kam zu dem überraschenden Schluss: kompliziert wirkt weniger schlau.
Ich finde das schlüssig, denn mein Wundern vom Anfang kam dadurch zustande, dass ich der Meinung bin, wer viele Worte braucht, um einfache Dinge zu erklären, der tut nur schlau.
Und es hat mich einmal mehr bestätigt und daran erinnert: die Dinge einfach zu sagen, mit einfachen Worten und kurzen verständlichen Sätzen ist der wirkungsvollere Weg. Das gilt für Predigten wie für Aufsätze. Mein Deutschlehrer wusste das schon damals, als ich in der 11. Klasse war. Damals schrieb er an den Rand: dieser Satz geht über 9 Zeilen.
Daran erinnere ich mich gerne zurück, wenn ich Texte schreibe. Wenn die Sätze mal wieder verschachtelt werden und ich mich wundere, dass ich nicht zum richtigen Ausdruck finde.

Es muss nicht immer kompliziert sein. So singen Basta. In dem Song heißt es:
Es muss nicht alles kompliziert sein
Nicht knifflig oder raffiniert sein
Tut etwas sehr bedeutungsvoll
Ist es nicht automatisch toll
Und auch nicht superschlau, nur weil man’s nicht kapiert

Das Leben ist oft schwer genug. Wir müssen es nicht zusätzlich kompliziert machen. Es reicht, wir machens leicht, singen Basta. Doch sie wissen auch um schwere Dinge: Und ist es wirklich mal zu schwer
Dann lass es sein und gib es her
Und ist es eine Quälerei
Dann lass es los und mach dich frei

Der Sommer steht vor der Tür. Wobei das wirkt ja in diesen Tagen eher wie ne Schwingtür. Heute Sonne und Sommertemperaturen. Morgen Regen und Gewitter. Versucht doch einfach, die ein oder andere Stunde einfach leicht zu machen. Es ist nicht immer alles kompliziert. Versuch los zu lassen, was dich beschwert. Und wenn es nur ein paar Stunden sind bei nem Eis oder einem Nachmittag im Schwimmbad oder im Pool.
Für diese Woche wünsche ich euch, habts Zuversicht und blei bts gsund. Nehmt es leicht. Nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir später.

Impuls für die Woche 03.07.2024

In Frankfurt wird am 09. Juli ein inklusives Tanzprojekt mit dem Namen Babylon aufgeführt. Nach der Schöpfung 2015 und der Arche Noah 2019 ist das der dritte Teil. Das inklusive Tanzprojekt „Babylon“ verarbeitet dabei die biblische Vorlage zu einer Erzählung über die Moderne: Die Kommunikation ist so leicht wie nie, aber niemand will mehr einander zuhören. Die Vorlage ist die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel. Gott bestraft die Menschen für ihre Selbstüberschätzung, indem er für eine Sprachverwirrung unter ihnen sorgt. Es kommt zu unüberwindbaren Verständnisschwierigkeiten, die zur Aufgabe des Bauprojektes führen und die Menschen über die ganze Erde verstreuen. Durch ihren Erfindungsreichtums versuchen die verschiedenen Völker die Sprachbarriere wieder zu überbrücken. Die Geschichte ist so aktuell wie selten.

Warum wird „miteinander reden“ trotz der vielen Kommunikationsmöglichkeiten anscheinend immer schwieriger? Hat der Mensch den Schlüssel zur Verständigung verloren? Lassen uns Fake News und auf uns zugeschnittene Algorithmen im Netz den Überblick verlieren? Das Stück „Babylon“ bietet die Möglichkeit sich mit den großen Fragen unserer Zeit künstlerisch auseinanderzusetzen und will wieder zum Dialog anregen.
Kommunikation ist schwierig geworden, denn es ist sehr leicht, die Dinge einfach umzudrehen mit ein paar Worten, selbst wenn wir dabei sitzen und zuhören. Ein Paradebeispiels dafür war das Rededuell von Biden und Trump, wo Trump einmal mehr sehr vieles durch ein paar einfache Kommunikationskniffe in Zweifel ziehen konnte. In den sozialen medien ist es ganz unabhängig vom Thema nahezu schon egal, was man schreibt. Richtige Diskussionen gibt es kaum. Die einen sind anscheinend zu faul dazu und beleidigen das Gegenüber lieber, wobei „ahnungslos“ noch das geringste Übel ist. Die anderen sind dazu nicht willig und wiederholen einfach nur ihre eigene Auffassung immer und immer wieder und wenn das Gegenüber einer anderen Meinung ist, dann ist es entweder links-grün-versifft oder ein Nazi. Hauptsache das eigene Weltbild ist in Ordnung.

Das Tanzprojekt Babylon hat eine Botschaft. Wo die Kulturen zwar schon vorher verschieden waren, der Tanz sie aber miteinander verbunden und gleichgestellt hat, herrscht Tristesse. Die Menschen verstehen sich nicht mehr. Bunte Kostüme weichen weißen Masken mit emotionsloser Mimik, die orchestrale Sound-Kulisse verwandelt sich in ein undurchdringbares Wirrwarr aus schrillen, elektronischen Klingeltönen und Polizeisirenen. Und niemand mehr schaut aneinander an, sondern nur noch auf das Smartphone. Und genau hier merken wir, dass die Botschaft etwas anders ist als in der biblischen Vorlage. Die Kommunikationswege sind heutzutage so vielfältig und einfach zu nutzen wie noch nie. Und trotzdem: „Bei den wichtigen Themen der Welt – Ökologie, Soziales – hören die Menschen einander nicht mehr zu“. Und dann ist es wenig verwunderlich, dass der Nationalismus stark und stärker wird. Immer mehr bleiben lieber in dem, was sie kennen, was ihnen vertraut ist. Wenn ich anderen nicht mehr zuhöre, dann kommen auch keine neuen Ideen oder Erkenntnisse. Nichts, was mein Weltbild durcheinander bringt, nichts, was es noch komplexer und komplizierter macht. Und ich glaube da liegt das Problem: die Komplexität, die wir inzwischen meistern müssen, überfordert viele. Ich will mich nicht mehr in die Welt andere Menschen hineindenken. Ich will meine eigene beherrschen.

Wie war das schön, als Jesus sagte: Euer ja sei ja und euer nein sei nein. Das war einfach, das war überschaubar. Das hat sich verändert.
Und so braucht es Projekte wie Babylon, die einerseits Menschen mit und ohne Beinträchtigungen verbinden und die uns anderseits genau dadurch Hoffnung machen, dass wir die Komplexität beherrschen lernen können. Und die uns gleichzeitig sagen: es muss nicht immer kompliziert sein. Doch dazu vlt. nächste Woche.

Für diese Woche wünsche ich euch habts Zuversicht und bleibts gsund. Nur diese Woche. Für die kommende sorgen wie später.

Impuls für die Woche 26.06.2024

Ich habe mich heute bei der Vorbereitung an ein Buch erinnert, das mir im Studium untergekommen ist. Es heißt Gottesvergiftung von Tilmann Moser. Als ich Theologie studiert habe, ist mir wie vielen ein Buch über den Weg gelaufen, das ich allerdings im Gegensatz zu vielen schrecklich fand. Es war das Buch „Gottesvergiftung“ des Psychologen Tillmann Moser. Es rechnet ab mit dem Gott, vor dem man sich fürchten muss, dem Gott, der alles sieht, dem Gott als höchstes Strafgericht. Es ist ein biographisches Buch. Tillmann Moser ist mit diesem Gott aufgewachsen, er hat als Kind und Jugendlicher unter diesem Gott gelitten, er fühlt sich seelisch und geistlich vergiftet und versucht, sich zu befreien, indem er Gott für tot erklärt, um frei zu sein. Aber Tilmann Moser schreibt auch: „Freut euch, wenn euer Gott freundlich war.“ Gott sei Dank, gab es auch Eltern, und zwar nicht wenige, die ihre Kinder ohne Gottesvergiftung aufzogen und ihnen einen freundlichen Gott nahebrachten. Meine gehörten auch dazu. So ist der Satz „Gott sieht alles“ für mich einer der schönsten und beruhigensten Worte. Gott sieht alles, das heißt für mich, er weiß, was mir widerfährt. Er kennt meine Lebensumstände, weiß, was mich beschäftigt. Da muss mir nicht Angst sein. Und er sieht auch, dass ich trotzdem immer wieder Zweifel habe, unsicher bin und mir schwer tue mit dem, was mir so begegnet.

47 Jahre nach Tillmann Mosers Buch wurde für das Jahr 2023 diese Jahreslosung ausgewählt: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Endlich ist die Luft frei von Gift und wir erschrecken nicht, wenn uns Gott sieht, es tut uns vielmehr gut. „Du bist ein Gott, der mich sieht“, diesen Satz sagt Hagar im alten Testament. Es lohnt sich, diese Geschichte einmal zu lesen.
Gott sieht, wie Hagar gedemütigt wird. Und Gott berührt das, erzählt die Bibel.

Gott sieht die Trauer der Mutter, die ihr Kind bei einem Autounfall verloren hat. Gott sieht die Trauer des Mannes, dessen Frau an Krebs gestorben ist. Gott sieht den Obdachlosen, der unter einer Brücke friert. Gott sieht die junge ukrainische Frau, die um ihre Mutter weint, weil sie unter den Trümmern des Hauses liegt, das gerade von einer russischen Rakete in Schutt und Asche geschossen wurde. Gott sieht die Menschen, die unter Rassismus leiden, die Menschen, die gefoltert werden, die Kinder, die chronisch unterernährt sind. Gott sieht die, die sich im falschen Körper fühlen und die erst Befreieung fühlen, als sie sich trauen können, das in aller Öffentlichkeit eingestehen zu können. Ich bin froh, dass mein Kind das Vertrauen hatte, uns das mitzuteilen. Endlich war das Leiden vorbei.

Gott sieht uns. Gott sieht auch Dich in Deiner Not, Deiner Angst, mit all Deinen Sorgen. Gott sieht Deine Furcht: Werden unsere Kinder und Kindeskinder eine lebenswerte Zukunft haben? Und es berührt ihn.
Vor vielen Jahren hat sich ein Konfirmand foglenden Spruch ausgesucht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, / den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. Zur Begründung sagte mir die dreizehnjährige Person: wenn ich weglaufe von Gott, kann er mir ja mit den Augen folgen und mir den Weg zeigen. So allmählich…

Du, Gott, Du siehst mich – in diesem Sinn habts Zuversicht und bleibts gsund. Nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir später.

Impuls für die Woche am 19.06.2024

Kinder, wie die Zeit vergeht. Das dachte ich heute. Recht banal hab ich in einem Kundenaccount nachgeschaut, wie lange ich ein Gerät schon habe und war erstaunt, dass es tatsächlich schon 5 Jahre sind. Ich bin ins nachdenken gekommen. Die Corona-Pandemie ist auch schon wieder 2 Jahre her. Seit einem Jahr sind alle Maßnahmen aufgehoben. Dieses Jahr sind Kirchenvorstandswahlen, d.h. sechs Jahre mit dem jetzigen Kirchenvorstand sind fast vorbei.
Tempus fugit, sagte der Lateiner, time flies, die Zeit fliegt. Dabei weiß doch jeder Schüler, dass das nur in den Ferien stimmt. Die vergehen immer wie nix und die Schulzeit zieht sich wie Kaugummi.
Die Bibel hat viel zur Zeit zu sagen. Wir sollen sie auskaufen, also nutzen, genießen. Der Prediger spricht davon, dass alles seine Zeit hat. Der Psalmist weiß seine Zeit in Gottes Hand geborgen.

Zeit beschäftigt uns. Oft sagen wir, wir hätten keine. Dabei hat jeder von uns 24 Stunden Zeit pro Tag. Die Frage ist, wieviel wir davon noch zur freien Verfügung haben. Es ist wie mit dem Geld. Von dem, was monatlich reinkommt, ist ein bestimmter Betrag schon verplant. Versicherungen, Miete, Sparen, und so weiter. Ein bestimmter Teil bleibt zur freien Verfügung. Wieviel das ist, hängt einerseits davon ab, wieviel Geld rein kommt und zum anderen, wie wir unser Geld verwenden.
Mit der Zeit ist es komplizierter. Denn mehr wird sie nicht. Es sind jeden Tag genau 24 Stunden, also 1440 Minuten oder 86400 Sekunden. Mehr kommt nicht rein auf unser tägliches Zeitkonto. Wir versuchen Zeit einzusparen, damit wir sie für anderes zur Verfügung haben. Wir machen Dinge effektiver, schaffen uns vlt. manches an, damit wir Dinge auch gleichzeitig machen können, weil ein Gerät für uns kocht, während wir die Wäsche noch zusammen legen.
Wirklich entspannt ist das nicht. Als wirklich entspannt erlebe ich die Dinge, die gemeinhin als Zeitverschwendung gelten. Einfach nur im Garten sitzen und vor mich hinschauen. Das Zwitschern der Vögel genießen, die Sonne, vlt. ein Eis essen dabei. Nachdem ich diesen Satz geschrieben habe, bin ich übrigens tatsächlich ein Eis holen und essen gegangen.

Ich höre oft, dass wir uns mehr Zeit für uns nehmen sollten. Dabei frage ich mich, warum ich mir Zeit nehmen sollte. Ich empfinde es als viel sinnvoller, mir Zeit zu geben. Für mich fühlt sich das so an, als würde ich aus einem Topf mit Zeit ein wenig Zeit herausnehmen und sie mir geben, um jetzt zu baden, ein Eis zu essen, oder ins Kino zu gehen. Wenn ich mir Zeit gebe, dann hat das etwas gönnerhaftes für mich. Für dich auch? Wenn ich mir hingegen Zeit nehme, dann schwingt dabei gleich mit, dass jetzt weniger Zeit übrig ist. Das erhöht für mich den Druck, gut mit der Zeit umzugehen.

Heinrich Böll hat eine kleine Geschichte geschrieben, die wenn auch nur indirekt mit Zeit zu tun hat. Die Geschichte geht so: In den 1960iger Jahren lag am Strand irgendwo am Mittelmeer nachmittags ein Fischer im Schatten und döste gemütlich vor sich hin. Da kam ein Tourist des Weges. Er entdeckte den einheimischen Fischer und wunderte sich darüber, dass er mitten am Tag am Strand herumlag. Schließlich fragte er ihn, was er denn hier tue. „Ich liege hier im Schatten und ruhe mich aus“, antwortete der Fischer.
So fragte der Tourist den Fischer: „Du könntest doch noch einmal mit deinem Boot raus aufs Meer fahren, um noch mehr Fische zu fangen. Die verkaufst du auch auf dem Markt. Bald kannst du dir ein zweites Boot leisten und weitere Fischer einstellen, die für dich fischen.“ Damit hätte der Fischer noch mehr Ertrag. Es könnte ein Boot ums andere dazu kommen. Eine ganze Fangflotte. Alle würden sie Fische für den Fischer fangen. Er wäre bald reich. Der Fischer lauschte dem Mann. Schließlich fragte er ihn: „Und dann? Was mache ich dann?“ „Dann bist du so reich, dass du selbst nicht mehr täglich aufs Meer zum fischen fahren mußt,“ antwortete der Tourist.
Der Fischer grübelte und stellte dieselbe Frage wieder: „Und dann?“
Der Tourist meinte dazu: „Dann kannst selbst bestimmen was du machst. Z.B. am Strand liegen und nichts tun, vor dich hindösen.“
„Na,“ antwortete der Fischer „das tue ich doch jetzt auch schon.“

Für die kommende Woche wünsche ich euch: habt Zuversicht und bleibst gesund. Nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir später.

Impuls für die Woche am 12.06.2024

In gut zwei Wochen werde ich eine Beerdigung halten. Das an sich ist ganz normal in meinem Beruf. Ungewöhnlich sind diesmal die Rahmenbedingungen. In der Traueranzeige steht kein würdiger gesetzter Spruch oder Bibelvers. Da ist hingegen von der coolsten Oma die Rede, da wird ein Prost in den Himmel gesendet und ein Karnevalsgruss. Außerdem heißt es in der Traueranzeige sonst nur: danke danke danke. Und es wird von einer Lebensfeier gesprochen.
Ich finde das klasse. Denn daraus spricht eine Haltung, die das Leben genießt, die dem Leben positiv entgegen geht und die den Tod als einen Teil des Lebens ansieht, denn nichts anderes ist er. So wünsche ich mir meine Todesanzeige auch. Wohlwissend, dass ich da nichts mit zu reden habe und denen, die mich lieben und zurückbleiben nicht in ihre Form der Trauer reinreden will. Sie müssen und sollen selbst entscheiden, wie sie mein Leben nach dessen Ende für sich beschließen wollen. Mir ist es viel zu oft begegnet, dass Menschen ihren zurückbleibenden Lieben Vorschriften gemacht haben, was bei ihrer Beerdigung passieren soll.
Natürlich wäre mir angemessen, wenn die Beerdigung mit dem Stern des Südens, der Hymne des FC Bayern endet. Doch soll ich das denen antun, die zu meiner Lebensfeier kommen werden? Ob sie wollen oder nicht? Denn der Herr hat sie in meine Hand gegeben, schließlich ist es meine Beerdigung? Da will ich noch ein letztes Mal das Sagen haben.

Ich habe das noch nie verstanden. Da will jemand auf einem bestimmten Friedhof beerdigt werden und die gesamte Familie leidet darunter. Hauptsache, man hat den letzten Willen des Verstorbenen erfüllt. Sein Testament sozusagen. Das geht manchmal soweit, dass sterbende ihren Partner*innen das Versprechen abnehmen, dass das Kind, zu dem man seit Jahren keinen Kontakt mehr hat, nicht zur Beerdigung kommen darf. Und darunter leiden dann das Kind und die zurückbleibenden Partner*innen. Ich finde das unbarmherzig und hätte auch keine Probleme, mich über so einen letzten Willen hinweg zu setzen. Das muss einfach nicht sein. Man muss nicht auf Geheiß der verstorbenen Person sich und andere quälen. Jesus hat seine Mutter an den Lieblingsjünger Johannes verwiesen und diesen an seine Mutter. Die zwei sollten sich in ihrer Trauer stützen. Die Geschichte zeigt: Verfügungen über den Tod hinaus sind dann sinnvoll, wenn sie das Wohl der Hinterbleibenden im Auge haben. Man muss schon ein Herz haben für die, die man verlassen muss.
Zum anderen ist es gut, wenn in Überlegungen, was nach dem Tod sein soll, rechtzeitig alle einbezogen sind. Zumindest so, dass sie in Gedanken und in Gesprächen mit ihren Gefühlen, in ihrer Lebenssituation vorkommen, selbst wenn sie nicht persönlich anwesend sind. Vielleicht ist das die letzte Chance, sich doch zu versöhnen – oder wenigstens mit neuem Interesse einander zu begegnen und sich vor dem Tod vom Leben überraschen zu lassen.
Das fällt vielen schwer. Und das gefällt mir so an der Beerdigung, die ich bald halten darf. Es soll eine Lebensfeier werden, launig soll es zugehen, der Verstorbenen und den Hinterbliebenen angemessen. So war übrigens auch das Vorbereitungsgespräch. Jeder durfte seines einbringen. Der eine Sohn braucht die Kirche, der andere seine Abschiedsrede. Der eine wollte ein bestimmtes Lied, der andere hat anderes eingebracht.

So läuft es leider nicht immer. Dabei ist ein respektvoller Umgang miteinander gerade im Sterben so wichtig. Deshalb: vor dem Tod gut miteinander kommunizieren, dann muss man nach dem Tod nicht entscheiden, was man jetzt selber gut findet. Oder sich dann gut überlegen, welchen Wunsch man, vielleicht auch mit verdrehten Augen gut erfüllen kann und wo es vlt. doch eine andere gute Möglichkeit gibt.
Für die neue Woche wünsche ich euch habts Zuversicht und bleibts gsund. Nur diese Woche, für die kommende sorgen wir später.

Impuls für die Woche 05.06.2024

Am Sonntag ist Europawahl. Es ist wohl die Wahl, die am ominösesten für die meisten ist. Das merkt man an der Wahlbeteiligung, die 2019 erstmals seit 2004 knapp über 50 % lag. Gleichzeitig haben nach einer anderen aktuellen Umfragen die meisten zwar negative Bezüge zur EU, halten sie aber dennoch für wichtig. 72 % sehen die EU als zu bürokratisch an und gleichzeitig halten sie 58 % für notwendig. Das sind die beiden Aussagen mit der höchsten Zustimmung. Knapp über 50 % halten die EU-Mitgliedschaft Deutschlands für gut, gleichzeitig haben nur 24 % der Deutschen das Gefühl, dass die EU die deutsche Lebensrealität versteht.

Nun dürfen erstmals auch Menschen unter 18 wählen. Ab 16 ist man wahlberechtigt. Und die Jugendlichen sind motiviert. Nach aktuellen Umfragen wollen weit über 60 % der unter 30-jährigen wählen gehen. Respekt. Gerade die, die das erste Mal wählen dürfen sind hochmotiviert. Jetzt sind wir endlich dran, ist das Lebensgefühl. Obwohl die Jugendlichen sich größtenteils schlecht repräsentiert sehen, sind sie doch der Meinung, dass die EU wichtig ist, sie kennen es schlicht nicht anders. Sie sind in einem Europa aufgewachsen, das über die Grenzen zusammen arbeitet. Sie problematisieren diesen Umstand also weit weniger, als wir, die wir es auch noch anders kennen. Und das ist gut.

Gleichzeitig sind auch Jugendliche keine homogene Gruppe. Man darf also nicht den Fehler machen, die junge Generation über einen Kamm zu scheren, was Klimapolitik und andere Themen angeht.
Nico Semsrott, Deutschlands traurigster Komiker nach eigener Aussage, hat im April ein Bühnenprogramm zu seiner 5-jährigen Tätigkeit im EU-Parlament auf youtube veröffentlicht. Ich finde das gerade vor der EU-Wahl sehr sehenswert. Wenn ihr die Zeit noch habt, dann schaut es euch unbedingt an. Er beschreibt dort sozusagen seinen Weg vom Idealismus eines Neuparlamentariers in die Resignation. Nach 5 Jahren EU-Parlament kandidiert er nicht mehr. Ich finde er beschreibt sehr glaubwürdig die Zeit, die er dort zugebracht hat. Und man merkt ihm auch an, dass es ihm nach 5 Jahren reicht. Gleichzeitig fordert er auf, vom Wahlrecht Gebraucht zu machen. Demonstrieren und Wählen sind seiner Meinung nach die beiden Mindestanforderungen an alle Demokrat*innen. Damit lässt sich etwas bewegen. Und er sagt sehr offen: wenn wir das nicht machen würden, wäre es noch viel schlimmer. Ich fand das einerseits erhellend, andererseits ermutigend. Europa scheint weit weg und man hört und liest viel und davon ist wenig positives dabei. Doch wenn wir uns abwenden, dann passiert genau das, was viele eh schon glauben, dass „die da oben“ machen, was sie wollen. Und so einfach sollten wir es niemandem machen.

Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist, so sagt es Jesus. Er fordert damit auch zu einem politischen Lebensstil auf. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist, das heißt auch: gebt dem Kaiser nur das, was des Kaisers ist. Man könnte das – nein ich meinen man muss das als klare Wahlaufforderung deuten: Uns interessiert, was ihr tut, wir lassen euch nicht aus dem Blick. Hinterher meckern oder empört sein ist einfach. Wir sollten wenigstens den Mindeststandard erfüllen: wählen gehen und wenn nötig auch auf die Straße. Das tut nicht weh, es kostet kaum Zeit und es bewirkt mehr, als wir vielleicht glauben. Überlassen wir nicht den Radikalen das Feld, die am Ende von Nicht-wähler*innen am meisten profitieren. Also, geht wählen am kommenden Sonntag.
Für diese Woche wünsche ich euch: habts Zuversicht und bleibts gsund, nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir später.

Impuls für die Woche 15.05.2024

Die Musikparty des Jahres fand in diesem Jahr in Malmö statt. Am vergangenen Samstag trafen sich 26 Nationen auf Einladung der EBU, um wieder den oder die beste zu krönen. Naja so ganz stimmt das nicht. Zum einen waren es nur 25, weil Holland schon vor der Veranstaltung aufgrund eines etwas nebulösen Vorfalls disqualifiziert worden war. Außerdem waren mit dem späteren Sieger Nemo und der irischen Sängerin zwei Künstler*innen dabei, die sich als nonbinär definieren, also die nicht in den Kategorien männlich und weiblich denken. Auch wenn ich zugegebenermaßen nicht verstehe, wie man dann denkt und fühlt, hat mir das gefallen. Denn wenigstens an einem Punkt war der ESC damit eine würdige und bunte, freie Veranstaltung. Ansonsten war das eher ein Trauerspiel, was sich in der Woche davor abgespielt hat.

Der Eurovision Song Contest, der sich ach so unpolitisch gibt, war politischer als je zuvor. Den komplexen und komplizierten Nahost-Konflikt nutzen manche für propalästinensische Demonstrationen. Europa zeigte sich dabei von seiner hässlichsten, weil antisemitischen Seite. Mich macht das wütend. Künstler*innen, die betonte Langeweile zum Ausdruck bringen, wenn die israelische Künstlerin auf der Pressekonferenz befragt wird, Punkteansager, die aus Protest gegen Israels Teilnahme ihre Aufgabe abgeben, Pfiffe gegen Punkte für Israel oder bei der Ansage des israelischen Beitrags.

Ich werde hier ganz sicher keine politische Bewertung vornehmen. Viele kluge und noch mehr recht dumme Gedanken gibt es dazu eh schon. Und die EBU hat sich durch den Ausschluss Russlands vor zwei Jahren sicher auch in eine Richtung manövriert, bei der sie nun nach Orientierung sucht. Diese Bewertungen will ich alle anderen überlassen, die sich dazu berufen fühlen.

Einen Standard hat die EBU gesetzt, indem sie dem ESC 2024 das Motto „United by music“ „Durch Musik vereint“ gegeben hat. Und da haben viele in meinen Augen versagt. Es sollte um Musik gehen und es ging einmal mehr wieder zu viel um Politik.
Dabei ist united by music ein sehr schönes Motto. Für 4 Stunden spielt es überhaupt keine Rolle, wo du herkommst, was du bist, wer du bist, was du hast, wie du lebst, wen du liebst…für vier Stunden spielt nur die Musik eine Rolle, das was du transportierst, das was du vorträgst. Und das hat den ESC so faszinierend gemacht. Ob das ABBA waren, Jonny Logan, Nicole, die Herreys, die mit ihrem digge loo digge ley damals mormonische Inhalte transportiert haben, ohne, dass es wohl die meisten überhaupt gemerkt haben, Charlotte Pirelli, Carola, Lena und wie sie alle hießen. Sie alle haben mit Musik verzaubert. Für einen Abend blieb alles draußen, was keine Freude macht. United by music, das würde Jesus und auch Luther gefallen, kann ich mir vorstellen. Grade für Martin Luther war Musik ein ganz wesentlicher Bestandteil des Lebens. Er hat Kneipenlieder umgedichtet und so berühmte Lieder wie „Ein feste Burg ist unser Gott“. Lieder, denen Dieter Falk immer wider ein neues Gewand gitb und sie so zu Popsongs macht. Bekanntes Liedgut in neue Zusammenhänge stellen, ganz im Sinn Luthers. Vor allem dann, wen wir dieses Jahr 500 Jahre evangelisches Gesangbuch feiern. Es mag nicht immer flotte spannende Musik für unsere Ohren sein, doch Musik verbindet heute noch die Menschen. Und auch beim ESC gefällt mir nicht jedes Lied. Warum sollte das im Gesangbuch anders sein? Für die kommenden Wochen empfehle ich euch: hört mal wieder mehr Musik, egal welche, die die euch anspricht. Lasst es euch gut gehen. An dieser Stelle wird es dann in der ersten Juniwoche weitergehen. Bis dahin:

Habts Zuversicht und bleibts gsund, nur diese Wochen, für die kommende sorgen wir später-

Impuls für die Woche 08.05.2024

Neulich habe ich einen Spruch gelesen, der mir gefallen hat. Ich habe ihn gepostet und eine Nachricht bekommen, dass das doch etwas negativ sei. Der Spruch ging ungefähr so: Die meisten Probleme gibt es nur in deinem Kopf. Ein paar sind aber schon echt.
Mir gefällt an deinem Spruch zweierlei.

Zum einen akzeptiert dieser Spruch, dass sich nicht jedes Problem wegpsychologisieren oder wegoptimieren lässt. Es gibt eben Dinge, die sind schwierig. Und dann darf man das auch benennen und akzeptieren. Das ist dann der erste Weg aus der Krise.
Es findet eben nicht nur alles in meinem Kopf statt. Die mehr gewordenen Arbeit durch weniger Personal, die kleinen und großen Wehwehchen, die schwere Krankheit, die schwieriger gewordene politische Lage, weltweit oder auch hier vor Ort. All das existiert und ich kann es nicht durch Meditation oder anderes wegschaffen. Nein, ich kann es nur dadurch bewältigen, dass ich mich nicht immer noch mehr dagegen wehre und meine, das existiert ja nur in meinem Kopf. Ich kann es nur dadurch bewältigen, dass ich es akzeptiere und aushalte bzw. mir evtl. Wege suche, wie ich bestimmte Dinge vermeide und Dinge tue, die mir gut tun und Kraft geben.

Das zweite, was mir an dem Spruch gefällt:
Oft werfen wir einander vor, wir würden ja durch die Jammerei alles noch schlimmer machen. Das stimmt sicherlich auch oft. Oft jedoch auch nicht. Dann ist Akzeptanz ein wichtiger erster Schritt.
Mir geht es mit meiner Kirche oft so. Da wird jemand in sein neues Amt eingeführt und predigt, man solle doch für die Kirche mehr beten, statt immer zu jammern, vor allem dort, wo man die Entwicklungen schlecht finde. Beten schadet nie. Das ist richtig. Und für die Kirche, für liebe Menschen etc. zu beten ist wichtig. Wenn jedoch der Eindruck erweckt wird, dass durch die Aufforderung zum Gebet die Kritik zur Seite geschoben werden soll, dann geht mir das zu weit. Es läuft vieles schlecht, in meinen Augen auch falsch. Das darf und muss dann auch benannt werden. Alles andere fördert gewaltsame Machtstrukturen, die Kritik mundtot machen. Wer also zwischen Gebet und Kritik einen Gegensatz aufmacht, der sollte sich gut überlegen, was er da tut.
Jesus hat in einem anderen Zusammenhang gesagt: Euer Ja sei ein Ja und euer Nein sei ein Nein. Das ist nichts anderes als die Aufforderung zur Wahrhaftigkeit. Es braucht keinen Schwur, um ein Ja zu verstärken, ein Ja ist stark genug. Das ist Wahrhaftigkeit. Ein einfaches Ja reicht, weil ich der sprechenden Person vertraue. Wahrhaftig darf, soll und muss ich sogar zu mir selber sein, wenn ich gesund bleiben will an Leib und Seele. Wenn ich weiß, was mir gut tut, wenn ich tue, was mir gut tut und nicht immer nach dem schaue, was andere von mir erwarten.

Wahrhaftig sein heißt, dass ich erkenne, wann etwas zu Ende geht und neue Wege finde und gehe. Ehrlich sein zu mir selber: was tut mir grade gut und was tut mir nicht oder nicht mehr gut. Das ist oft schwer. Doch manche Probleme sind eben so echt, dass es manchmal nur wen Weg gibt, ihnen dauerhaft aus dem Weg zu gehen.

Wenn es das in eurem Leben zur Zeit gibt, dann wünsche ich euch den Mut, wahrhaftig zu sein. Ich wünsche euch den Mut, euch einzugestehen, was eben für euch echte Probleme sind und die Kraft euch und anderen das einzugestehen. Und uns allen wünsche ich den Mut, immer wieder wahrhaftig zu sein und den Deckmantel der Harmoniesucht mit echter Liebe zu tauschen, die anspricht, was wahr ist auch wenn es weht tut.
Für diese Woche wünsche ich euch: habts Zuversicht und bleibts gsund, nur diese Woche, für die kommende sorgen wir später.

Impuls für die Woche 01.05.2024

Vergangene Woche war ich auf Fortbildung in Pappenheim. Es war die jährliche immer noch sogenannte Dorfpfarrerwoche. Der Name ist veraltet, denn längst nehmen auch Pfarrerinnen an der Woche teil, Gott sei Dank.
Seis drum , die Dorfpfarrerwoche hat sich immer schon ausgezeichnet durch den kollegialen Austausch, die vielen kleinen Gespräche am Rande der thematischen Einheiten und Exkursionen dahin, wo das Leben stattfindet. Ob das landwirtschaftliche Betriebe sind, besondere dörfliche oder ländliche Projekte, oder eine landwirtschaftliche Hochschule oder ein Kräutergraten. Manchmal ging es auch hoch her.
Dieses Jahr wurde am Ende von vielen bescheinigt, wie harmonisch diese Dorfpfarrerwoche doch war. Wie jammerfrei sie war, wie fröhlich es zuging. Es scheint das Bewusstsein geherrscht zu haben, dass durch Jammern nichts gewonnen ist.
Es bringt nichts, an den immer gleichen Zuständen herum zu kritisieren, denn davon ändern sie sich nicht. Gleichzeitig stand die Frage im Raum, wie können wir die Schuldfrage umgehen, die doch nie weiterführt und nur ablenkt, und gleichzeitig das, was schief läuft benennen.

Ich glaube, darum wird es zukünftig gehen müssen. Ob kirchlich oder gesellschaftlich. Wir sind gut geübt darin, die Schuldfrage zu stellen. Und wenn wir die beantwortet haben, sind wir zufrieden, nur gewonnen ist dadurch halt nichts.
„Irgendjemand muss schuld sein.“ Das ist die Logik scheinbar einfacher Wahrheiten. Das war schon die Logik in biblischer Zeit. So wurde zum Beispiel vom gläubigen und wohlhabenden Hiob erzählt. Er wurde zum Spielball einer Wette zwischen Gott und dem Satan. Sie wollten schauen, ob er auch gläubig bleiben würde, wenn er alles verlieren würde. So verlor Hiob seinen Wohlstand, seine Viehherde, seine Familie und wurde schließlich sogar selbst schwer krank. Hiob haderte mit Gott, klagte ihn an, schrie und tobte. Gleichzeitig hielt er an seinen Glauben an Gott fest. Als er schwer krank wurde, besuchten ihn drei seiner Freunde. Sie bleiben eine Woche bei ihm und versuchten, Hiob sein Unglück zu erklären. Es lief immer darauf hinaus, dass Hiob ihres Erachtens in seinem Leben etwas falsch gemacht haben musste. Er musste irgendwann und irgendwie schuldig geworden sein, weil ihm ein solches Unglück passiert war. Hiob widerstand diesen Anschuldigungen, und sein Ton gegenüber GOTT wurde lauter und dringender. Er war unschuldig und forderte Gott heraus. Hiob war klar: Gott hatte ihm Unrecht getan. Er schrie Gott an und rief:
GOTT, wo bist du? Wieso tust du mir das an? Was habe ich falsch gemacht?

Gott antwortete sinngemäß: Du hast nichts falsch gemacht, Hiob. Doch du und der Rest der Menschheit, ihr müsst wissen: Ich kann alles tun, was ich will. Meine Handlungen folgen keiner menschlichen Logik, keinem wissenschaftlichem Konzept. Das ist der Unterschied zwischen Mensch und GOTT. Was du gleichzeitig auch wissen musst: Ich habe dir vertraut, genau wie du mir vertraut hast.

Für uns muss irgendjemand schuld sein und oft sind es die, die sich nicht wehren können. Die sog. Altparteien oder Migranten, Zufluchtsuchende, Frauen, Transmenschen, Moslems, da geht es oft gegen Minderheiten. Was wir dabei vergessen: manchmal ist keiner schuld. Auch an den kirchlichen Veränderungsprozessen. Es gibt Dinge, die ereignen sich einfach, die passieren, ohne, dass jemand etwas dafür kann. Es fällt uns schwer zu akzeptieren, dass trotz aller Anstrengungen nicht mehr Menschen in die Kirche kommen, dass niemand schuld ist an nachteiligen. Entwicklungen. Und wir entsprechend auch wenig dagegen tun können. Und damit vergeuden wir dann wertvolle Kraft und Zeit, bei der Suche nach Lösungen. Wir alle sind verantwortlich für eine Welt, die solidarisch handelt und für sozial ausgerichtete Gesundheitssysteme und einem ausgewogenen Ökosystem sorgt. Jeder und jede an ihrem Platz. Das können wir nicht auf andere abwälzen. Wir sind alle gefragt. So wünsche ich euch für diese Woche: habts Zuversicht und bleibts gsund. Nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir später.

Impuls für die Woche 17.04.2024

Wir leben in schwierigen Zeiten, und jammern auf hohem Niveau. Irgendwo zwischen diesen beiden Polen bewegt sich unser Leben. Auf der einen Seite haben wir Probleme mit aufkommenden rassistischen und menschenverachtenden Tendenzen, Kostensteigerungen für den täglichen Bedarf und der Frage, wie wir unser Leben gut leben und bezahlbar leben können, auf der anderen Seite geht es dem Großteil der Weltbevölkerung deutlich schlechter als den ärmsten unter uns. Doch das tröstet niemanden und das hat auch seine Berechtigung. Gleichzeitig finde ich es gut, dass wir uns weniger mit Existenzängsten herumschlagen müssen und uns Gedanken machen können über Themen wie Gleichberechtigung und Klimaschutz. Wenn wir es denn wollen. Mit dem wollen schaut es da manchmal schlecht aus. Das zeigt in diesen Tagen die Verabschiedung des neuen Selbstbestimmungsgesetztes durch den deutschen Bundestag. Dabei schreien die am lautesten, die sich sonst gerne auf das Grundgesetz berufen, wenn es um Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit geht. Der grundgesetzlich verankerte Schutz der sexuellen Identität hat nichts damit zu tun, ob mir eine Identität gefällt oder nicht. Und meine Freiheit wird auch nicht dadurch beschnitten, dass andere mehr Freiheit bekommen. Es geht also am Ende um eine rein geschmackliche Frage. Will ich etwas oder will ich es nicht.

Doch bei Fragen der persönlichen Entfaltung und Freiheit kann es nur ein Argument geben: schränkt meine Haltung die Freiheit anderer ein? Und während es mich überhaupt nicht einschränkt, wenn sich andere Menschen als non-binär oder wie auch immer identifizieren. Die Freiheit dieser Menschen wird jedoch massiv eingeschränkt, wenn dieses Gesetzt nicht kommt. Deshalb ist es gut, dass dieses Gesetz eingeführt wird, damit Menschen das, was sie in sich fühlen, auch offiziell tragen können, einen anderen Namen, ein anderes Geschlecht und dass ihnen auch in diese Persönlichkeit begegnet wird. So kommen Menschen aus der Nische, aus der Verdrängung, denn sie haben mit dem inneren Kampf oft schon genug zu tun.

Als Christ halte ich es für meine Pflicht, dafür einzustehen, dass Menschen sich frei entwickeln können. Einer der Kernsätze des Evangeliums ist der Ausspruch des Paulus „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“. In seinem Brief an die Galater wendet sich Paulus gegen die dort auftretenden Lehrer, die die Ansicht vertreten, dass man zunächst Jude sein müsse, bevor man sich taufen lässt. Paulus sieht darin die Gefahr, dass das Befreiende des christlichen Glaubens vergessen wird. Der christliche Glaube kann frei machen, wenn man sich bewusst macht, dass dieser Glaube auch über das hinaus weist, dass es immer auch anders sein kann, als es zunächst scheint.

Und das ist etwas, von dem ich das Gefühl habe, dass es uns zunehmend abgeht. Wir fallen entweder zurück in ältere Zeiten oder wir waren in Wahrheit noch nie weiter. Dabei kennen wir Sprichtworte wie „Jeder Jeck ist anders“, „Jedem Tierchen sein Pläsierchen“ oder andere. Am Ende sagen sie nichts anderes aus, als dass wir alle verschiedene sind und diese Verschiedenheit uns reich macht. Wir müssen jedoch mit ihr umgehen. Sie ist kein Selbstläufer.
Deshalb tut die Erinnerung immer wieder gut, dass wir zur Freiheit befreit sind, wenn wir wieder einmal der Gefahr anheim fallen, uns von selbstgemachten innern oder auch äußeren gesellschaftlichen Mechanismen versklaven zu lassen. Auch dafür gibt es ein Sprichwort: Gönnen können. Gönnen wir anderen doch die Freiheit, die wir uns selbst oft zu wenig gönnen. Vielleicht fällt es uns dann leichter, auch uns solche Freiheiten zu gönnen.
Denn wer gnädig ist zu sich selbst, der ist es auch leichter zu anderen. Und wer gnädig ist zu andere, der ist es auch leichter zu sich selbst.

So wünsche ich euch für die kommende Woche: Habts Zuversicht und bleibts gsund, nur diese Woche. Für die kommende sorgen wir später.